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Beim gefährlichen ultrafeinen Feinstaub sind die aktuellen Werte deutlich zu hoch – Tempo30 kann helfen.
Jüngst wurden die Schadstoffwerte für 2024 veröffentlicht. Während manche Behörden und Organisationen betonen, dass die Messwerte für Feinstaub- und Stickstoffdioxide seit Jahren zurück gehen, sieht der VCD keinen Grund zur Entwarnung: Es werden zwar alle aktuellen EU-Grenzwerte sowohl für 2024 und sehr wahrscheinlich auch für 2025 eingehalten, dabei wird jedoch ausgeblendet, dass die EU-Grenzwerte das Ergebnis eines politischen Prozesses sind, bei dem Gesundheitsschutz, wirtschaftliche Auswirkungen und technische Machbarkeit abgewogen werden. Das bedeutet, dass die Grenzwerte durch Verhandlungen zwischen EU-Kommission, Europäischem Parlament und den Mitgliedstaaten festgelegt werden. So entstehen Kompromisse, die häufig nicht den wissenschaftlichen Empfehlungen entsprechen. Das gilt auch für die ab 2030 geltenden strengeren Grenzwerte.
Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) hingegen gibt schärfere Richtwerte vor, die auf aktuellen wissenschaftlichen Erkenntnissen zu den gesundheitlichen Auswirkungen von Luftverschmutzung basieren.
Bei ultrafeinem Feinstaub mit Partikeldurchmessern kleiner als 2,5 Mikrometer (Feinstaub PM2,5) ist dieser Unterschied am deutlichsten: An den Kölner Messstationen liegen die Jahresmittelwerte zwischen 8 und 9 Mikrogramm pro Kubikmeter Luft. Der aktuelle EU-Grenzwert liegt bei 25 Mikrogramm/m³ und der ab 2030 geltende strengere EU-Grenzwert bei 10 Mikrogramm/m³ - der WHO-Richtwert liegt jedoch bei 5 Mikrogramm/m³, also deutlich unter den Kölner Messwerten.
Warum ist Feinstaub PM2,5 besonders gefährlich?
Feinstaubpartikel mit einem Durchmesser von weniger als 2,5 Mikrometern sind so klein, dass sie beim Einatmen nicht in der Nase oder den oberen Atemwegen abgefangen werden. Sie dringen tief in die Lunge bis in die Lungenbläschen (Alveolen) vor und können von dort sogar in den Blutkreislauf übergehen. Dadurch gelangen sie in nahezu alle Organe des Körpers und können dort vielfältige, teils schwerwiegende gesundheitliche Schäden verursachen. Die Belastung mit PM2,5 gilt als einer der wichtigsten umweltbedingten Risikofaktoren für die Gesundheit in Europa.
Tempo30 als probates Mittel gegen Feinstaub
Nach Meinung des VCD sind einige der üblichen Empfehlungen völlig aus der Zeit gefallen, wie „Aufenthalt im Freien reduzieren, v.a. bei stark befahrenen Straßen“ sowie „Fenster geschlossen halten“.
Der VCD empfiehlt, bei den Ursachen des Problems anzusetzen und den Autoverkehr zu reduzieren und auf andere Verkehrsmittel umzusteigen. Auch Tempo30 – zumindest auf vielbefahrenen Straßen - hilft und führt zu weniger Abrieb von Reifen, Bremsen und Straßenbelag bei einem gleichmäßigen Verkehrsfluss mit weniger Stopp-and-Go-Situationen. Wissenschaftler prognostizieren, dass bei konsequenter Einhaltung von Tempo30 die Schadstoffbelastung um bis zu 40-50 % sinken könnte.
Beispiel Mülheimer Brücke: Weniger Autofahrspuren verursachen weniger Schadstoffe
In Köln liegen derweil schon Erfahrungen über gelungene Schadstoffreduktionen durch verkehrliche Beschränkungen vor: Am Clevischer Ring, der als langjähriger Spitzenreiter bei den Schadstoffen von der Verringerung auf zwei Autofahrspuren auf der Mülheimer Brücke erheblich profitiert hat. Eine Rückkehr zu den früheren vier Autospuren auf der Brücke sollte daher auch aus diesen Gründen unterbleiben.
Hintergrundinformationen zu den gesundheitlichen Auswirkungen von Feinstaub PM2,5
PM2,5 kann Entzündungen und Stress in den Zellen der Atemwege auslösen. Langfristige Belastung führt zu Erkrankungen wie Asthma, Bronchitis, verringertem Lungenwachstum bei Kindern und Lungenkrebs.
Gefahr besteht auch für das Herz-Kreislauf-System: Die Partikel erhöhen das Risiko für Arteriosklerose, Bluthochdruck, Herzinfarkt und Schlaganfall.
Bei Stoffwechsel und dem Nervensystem gibt es Hinweise auf Zusammenhänge mit Diabetes Typ 2 und Demenz.
Eine erhöhte PM2,5-Belastung ist mit einer erhöhten Gesamtsterblichkeit verbunden. Laut WHO steigt das Sterblichkeitsrisiko bei einem langfristigen Anstieg der PM2,5-Konzentration um 10 µg/m³ um etwa 8 %.
Feinstaubpartikel können Schadstoffe wie Schwermetalle oder krebserregende Chemikalien tief in die Lunge und den Körper transportieren. Das verstärkt die gesundheitsschädliche Wirkung zusätzlich.
Kinder, ältere Menschen und Personen mit Vorerkrankungen der Atemwege sind besonders anfällig für die negativen Effekte von PM2,5
Kinder sind besonders gefährdet
Kinder befinden sich noch im Wachstum, ihre Lungen sind kleiner und weniger widerstandsfähig gegenüber Schadstoffen. Feinstaubpartikel können die Entwicklung der Lunge beeinträchtigen und das Risiko für chronische Atemwegserkrankungen wie Asthma und Bronchitis erhöhen.
Kinder atmen schneller als Erwachsene und nehmen dadurch proportional mehr Luft und somit auch mehr Schadstoffe auf. Die feinen Partikel dringen tief in die Lunge vor.
Das Immunsystem von Kindern ist noch nicht vollständig ausgebildet. Sie sind daher weniger in der Lage, Schadstoffe abzuwehren und die durch Feinstaub ausgelösten Entzündungen zu bekämpfen.
Kinder gehören zu den besonders gefährdeten Gruppen, da ihre Organe und Systeme empfindlicher auf Schadstoffe reagieren. Schon geringe Konzentrationen von PM2,5 können bei ihnen schwerwiegende gesundheitliche Schäden verursachen.
Ansprechperson:
Hans-Georg Kleinmann (Mitglied im VCD-Vorstand) über info@
vcd-koeln.de, mobil: 0163 627 4722