Siegen-Wittgenstein - Olpe, Bahn & Bus
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Anfrage zur Zukunft der Siegstrecke

Bahnstrecke Siegen – Köln: keine Verbesserung in Sicht

Antwort der Bundesregierung zur Siegstrecke liegt vor

Seit Jahren beklagen Bahnreisende zwischen Köln und Siegen die häufigen Verspätungen des Regionalexpress RE 9, der die beiden Städte verbindet. Oft wird in Siegen der Anschluss in Richtung Gießen und Frankfurt (Main) verpasst. Für das kommende Jahr steht eine Sperrung für 7 Monate bevor. Wir haben eine kleine Anfrage an die Bundesregierung zur Zukunft der Siegstrecke unterstützt, deren Antwort jetzt vorliegt. Der Inhalt gibt wenig Hoffnung auf eine Verbesserung. Zumindest die Sanierung der Brücken sollte so geplant werden, dass dafür zukünftig möglichst wenig Sperrpausen erforderlich werden.

 

Für die Menschen aus den Regionen Siegen, Wittgenstein und Altenkirchen hat die Bahnverbindung nach Köln einen hohen Stellenwert. Mit dem Regionalexpress RE 9 hat Siegen eine stündliche Verbindung in die Rheinmetropole. Neben der Bedeutung für Berufspendler*innen und Tagestourist*innenen nutzen viele Reisende die Verbindung ab Köln für ihre Anschlüsse z. B. in Richtung Düsseldorf, Belgien oder in die Niederlande.  

Wiederherstellung der Zweigleisigkeit

Erfahrungsgemäß sind die Regionalexpresszüge oft stark verspätet. Das wurde in der Vergangenheit auf die beiden eingleisi­gen Abschnitte der Strecke zwischen Au (Sieg) und Hennef (Sieg) zurückgeführt. Seit Jahrzehnten wird deshalb von den Politiker*innen und Akteur*innen im Bahnverkehr im Raum Siegen und Kreis Altenkirchen der zweigleisige Ausbau der beiden Ab­schnitte gefordert - bisher erfolglos. Die Deutsche Bahn hat vor einem Jahr eine Sperrung der Strecke zwi­schen Siegen und Hennef angekündigt. Sie beginnt Ende 2026 und dauert 7 Monate. Groß war die Enttäuschung, als sich herausstellte, dass diese lange Unterbrechung nicht dazu dienen soll, die fehlenden Gleise und Brücken zu realisieren, obwohl der zweigleisige Ausbau im Bundes­verkehrswegeplan 2030 im vordringlichen Bedarf enthalten ist. Im Mai 2025 hat deshalb der SPNV Nord aus Rheinland-Pfalz an die Deutsche Bahn appelliert, im Rahmen dieser Sperrung auch die durchgehende Zweigleisigkeit wiederherzustellen. Die Bundestagsfraktion von Bündnis 90/Die Grünen hat den Appell der Region zum Anlass genommen, eine An­frage an die Bundesregierung zu den geplanten Maßnahmen auf der Stre­cke zwischen Siegen und Köln zu richten. Julian Kirchner, Mitglied im Ver­kehrsclub Deutschland, Kreisverband Siegen-Wittgen­stein und Olpe (VCD): „Wir haben uns bei der Bundestagsfraktion dafür einge­setzt den aktuellen Stand der Planungen für den kommenden Stillstand und den zweigleisigen Ausbau zu erfahren“. Inzwischen liegt die Antwort der Bundesregierung als Bundestagsdrucksac­he 21/4098 vor. Bisher wurde nicht mit den erforderlichen Planungen geschwei­ge denn mit der Umsetzung be­gonnen. Matthias Tuschhoff (VCD) kommentiert: „Die Antwort der Bundesregierung enthält auch keine Perspektive, wann mit dem Beginn der Planungen und dem Ausbau zu rechnen ist“. Stattdessen wird auf die „regelmäßig zu priorisierenden Haushaltsmittel“ verwiesen. Walter Schindler (VCD) hat die Entwick­lung über viele Jahre beobachtet und vermutet: „Offenbar genießen andere Projekte eine höhere Priorität oder es steht nicht genug Geld oder Fachkräfte zur Bearbeitung aller vordringli­chen Projekte zur Verfügung“.

 

Pünktlichkeit des Regionalexpress und halbstündige Verbindung 

In einem weiteren Fragenkomplex wurde die Entwicklung von Ver­spä­tun­gen zwischen Siegen und Köln beleuchtet. Nach Angabe der Deutschen Bahn starten die Züge häufig bereits in Köln verspätet. Die Pünktlichkeit verschlechtert sich vor allem im Abschnitt zwischen Köln und Hennef.  Matthias: „Die beiden einglei­sigen Abschnitte scheinen dagegen nur wenig Wirkung zu entfalten.“ Julian betont darüber hinaus: „Für die Verbindung nach Köln wäre eine zweite stündliche Regionalexpresslinie wünschenswert“. Die verdoppelte Taktfrequenz würde den Nachteil der geringen Reisegeschwindigkeit teilweise ausgleichen. Die zweite Linie scheitert an den eingleisigen Ab­schnitten und zusätzlich an fehlenden Ausbaumaß­nahmen in Köln und Troisdorf. Auch hier werden keine Zeiten genannt, bis zu denen sie umgesetzt werden. Weiterhin hat die S-Bahn Köln im Raum Trois­dorf alle für eine zweite Regionalexpresslinie erforderlichen Zeitfenster für sich belegen können, so dass für Verbesserungen im weiter reichen­den Regionalverkehr in Richtung Siegen oder auch auf der rechten Rhein­strecke keine Kapazität mehr besteht. In Troisdorf kommen nach zukünftigen Pla­nungen zu den bestehenden Linien sechs weitere S-Bahn-Fahrten je Stunde hinzu, so dass dieser Bereich die Grenze seiner Leistungsfähigkeit er­reichen dürfte. Matthias: „Mit einem pünktlichen Regional­express zwischen Siegen und Köln ist deshalb auch zukünftig weder im Halbstun­dentakt noch im Stundentakt zu rechnen“. 

Baumaßnahmen im kommenden Jahr 

Abschließend wurde in der Anfrage der Grünen auch nach den Maßnahmen für die bevorstehende Sperrung ab Ende 2026 gefragt. Entscheidend sind hier die Arbeiten an Brücken, die wegen ihrer langen Bauzeit eine Strecke unpas­sierbar machen. Zwischen Siegen und Hennef befinden sich 15 größere Brücken in einem Zustand von dem die Bahn schreibt: „(Teil)Erneuerungsmaßnahmen sind zu planen“. Aus der Antwort der Bundesregierung ist zu schließen, dass für die bevorstehende Sperrung Brückensanierungen nur in einem sehr geringen Umfang vorgesehen sind. Matthias: „Das wird den vielen betroffenen Brücken nicht gerecht. Hoffentlich schafft es die Deutsche Bahn zukünftig, Sperrungen oder Langsamfahrstellen zu vermeiden, wie sie zur Zeit den Bahnverkehr zwischen Siegen und Hagen behindern“. Der VCD Kreisverband Siegen-Wittgenstein und Olpe fordert hier konkret ein koordi­niertes Vorgehen, bei dem möglichst viele Brü­cken innerhalb einer Sperrpause saniert oder erneuert werden. Nur so kann die Anzahl der zukünftigen langfristigen Sperrungen zwischen Siegen und Köln auf ein Minimum reduziert werden.

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