Landesverband NRW
Etwa 55 % der Wege werden in NRW mit dem Auto zurück gelegt, etwa 45 % mit Bus und Bahn, Fahrrad und zu Fuß. Damit liegt NRW etwa im Bundesdurchschnitt. Der Pkw bleibt dominant bei der Verkehrsmittelwahl - aber Anzahl der Wege und Kilometer sind rückläufig. Einen Zuwachs gibt es bei Rad- und Fußwegen - aber eine Trendwende ist das noch nicht. Das sind Erkenntnisse der Erhebung "Mobilität in Deutschland (MiD), deren erste Ergebnisse jetzt vorliegen.
2023/24 wurden dazu im Auftrag des Bundesverkehrsministeriums von infas bundesweit knapp 40.000 Haushalte in Deutschland befragt, mit regionalen Vertiefungen sogar 218.000.
"Mobilität in Deutschland" baut auf den KONTIV-Erhebungen auf, die 1976, 1982 und 1989 vom Institut socialdata durchgeführt wurden. Kern der Befragung war wie bei den früheren MiD-Erhebungen 2002,2008 und 2017 die Erfassung aller Wege außer Haus an einem Stichtag - vom Fußweg über die Fahrt zum Arbeitsplatz mit Pkw oder Bahn bis zur Radtour aufs Land. Hinzu kamen viele weitere Angaben, so zu im Haushalt vorhandenen Fahrzeugen, Monatskarten für Bus und Bahn oder Entfernung zur nächsten Haltestelle.
Insgesamt sind Wege und zurückgelegte Kilometer rückläufig: Hochgerechnet auf ganz Deutschland ergaben sich 250 Mio Wege und 3 Mrd Kilometer, was sich etwa auf dem Niveau von 2008 bewegt. Auch der Anteil der Menschen, die an einem Stichtag überhaupt das Haus verlassen, war mit 82 % rückläufig, hier mag sich etwa der Trend zum Home Office niederschlagen.
Zwar ist der Pkw-Bestand nochmals gewachsen auf 1,2 je Haushalt, die Fahrzeuge werden jedoch weniger genutzt: 53 % der Wege wurden mit dem Pkw zurück gelegt - der niedrigste Wert seit Einführung der MiD 2002. Auch die Pkw-Fahrleistung ist gegenüber 2017 um 10 % zurück gegangen. Bus und Bahn können davon aber nicht profitieren: Deren Nutzung hat mit 11 % trotz Deutschland-Ticket gerade erst wieder das Niveau von vor Corona erreicht. Dagegen verzeichnen Rad und vor allem eigenständig zu Fuß zurück gelegte Wege mit 11 % bzw. 26 % die höchsten Werte seit 2002. Als "bemerkenswert und ein Signal für Veränderungen" sehen dies die Autoren um Projektleiter Robert Follmer, von einer Trendwende könne man aber noch nicht sprechen.
Die Stadtstaaten Berlin, Hamburg und Bremen bleiben Vorreiter im "Umweltverbund": Über zwei Drittel der Wege werden hier mit Bus und Bahn, Fahrrad und zu Fuß zurück gelegt. Spitzenreiter bei der ÖPNV-Nutzung sind Berlin (27 %) und Hamburg (24 %). Bremen bleibt die Fahrrad-Hauptstadt - für 22 % der täglichen Wege wird hier das Rad genutzt, doppelt so viel wie im Bundesdurchschnitt. Hohe Fußgängeranteile verzeichnen auch Sachsen-Anhalt und Thüringen.
Das Saarland bleibt Autofahrer-Land Nr. 1: Zwei Drittel der Wege werden hier mit dem Plw zurück gelegt, mit dem Rad nur 3 % - der bundesweit niedrigste Wert.
Noch kaum eine Rolle spielt die Elektromobilität beim Pkw: nur 5 % rein elektrisch betriebene Fahrzeuge wurden in der Erhebung vermerkt, vor allem als Zweit- und Drittwagen. Hinzu kamen nochmal 5 % Hybrid-Fahrzeuge, bei denen allerdings nicht klar ist, inwieweit der elektrische Antrieb genutzt wird. Anders dagegen im Radverkehr: Hochgerechnet auf Deutschland gibt es 81 Mio fahrbereite Räder in Deutschland, davon 15 % mit elektrischem Antrieb.
Bei der Betrachtung der zurück gelegten Kilometer zeigt sich wie zu erwarten ein anderes Bild: Hier dominiert mit 73 % noch stärker der Pkw. Dennoch gibt es auch weiterhin Haushalte, die ganz ohne Auto auskommen: 20 %, Tendenz leicht rückläufig. Etwa die Hälfte der befragten Personen gibt aber an, mindestens gelegentlich auf einen Pkw zurück greifen zu können.
Organisiertes Autoteilen nimmt zu, aber langsam und vor allem in den Metropolen Berlin, Hamburg, München, Köln. Insgesamt geben 9 % der Haushalte an, Mitglied in einem Car Sharing Verein zu sein, die tatsächliche Nutzung hat aber gegenüber 2017 sogar abgenommen.
Bei der Frage nach der regelmäßigen Nutzung von Verkehrsmitteln war die Zahl der "täglichen Pkw-Orientierten" rückläufig (noch 41 % gegenüber 44 % 2017). Selbst in Metropolen bewerten aber über 50 % die Bedingungen für den Autoverkehr als gut oder sehr gut. Kritisch gesehen wird der öffentliche Verkehr, insbesondere im ländlichen Raum. Die Zahl derjenigen, die angeben, nie oder fast nie mit Bus und Bahn in der Region unterwegs zu sein, ist mit 44 % sogar gestiegen.
Fazit: Es gibt Entwicklungen, die Anlass geben zu Hoffnung auf umweltverträglicheren Verkehr, von "Verkehrswende" ist das aber weit entfernt.
Die Ergebnisse werden nun im Laufe des Jahres nach Regionen ausdifferenziert, die zum Teil eigene Erhebungen finanziert haben, entsprechend sind hier noch interessante Erkenntnisse zu erwarten. Aktuelle Informationen werden regelmäßig im Internet kommuniziert unter https://www.mobilitaet-in-deutschland.de/.