Köln, Pressemitteilung, Verkehrspolitik
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Energiekrise und Verkehrswende

VCD betont: Die Energiekrise belegt die zunehmende Notwendigkeit für eine Verkehrswende. Auch für Köln.

Die letzten Tage waren dramatisch, und Schlagzeilen wie „Jetzt hat der Kampf um die Energie der Zukunft wirklich begonnen“ und Äußerungen wie „Die Blockade der Straße von Hormus zwingt die Welt zum Umdenken - gelingt der Sprung vom fossilen ins erneuerbare Zeitalter?“ gelangten in die Hauptnachrichten. Hinweise zum Energiesparen bekamen eine kaum noch für möglich gehaltene Aufmerksamkeit.

Am frühen Morgen des 8. April gab es zwar eine vorsichtige Entwarnung, aber die Situation wird sicherlich noch lange fragil bleiben.

Der VCD sieht in dieser Situation der Verunsicherung und Ungewissheit einen weiteren Grund für ein Umsteuern: „Die Energiekrise hat deutlich gemacht, dass man schon viel zu lange auf das falsche Pferd gesetzt hat - und es immer noch tut. Man sollte jetzt die Gelegenheit ergreifen und Maßnahmen zur Einsparung von Öl ergreifen und Alternativen zum fossilen Verbrauch fördern.“

Warum auch Köln in der Energiekrise neu denken muss

Die Energiekrise stellt auch die Stadt Köln vor grundlegende Fragen: Wie sichern wir bezahlbare Mobilität? Wie reduzieren wir Energieverbrauch und Abhängigkeiten?

Kommunale Verantwortung für unabhängige Mobilität

Steigende Energiepreise treffen kommunale Haushalte ebenso wie Bürgerinnen und Bürger. Betrieb und Ausbau energieintensiver Verkehrssysteme werden teurer, während zugleich der Druck steigt, energie- und klimafreundliche Alternativen bereitzustellen.

Bezahlbare Mobilität als kommunalpolitisches Ziel

Mobilität ist Daseinsvorsorge – und damit eine klassische Aufgabe der Kommunalpolitik. In Zeiten steigender Treibstoffpreise wird besonders deutlich, wie sozial unausgewogen hohe Mobilitätskosten wirken.

Vergleich der Verkehrsmittel in Köln im Hinblick auf die Energiekrise

An dieser Stelle sollen die verschiedenen Verkehrsmittel kritisch betrachtet und geprüft werden, welchen Beitrag zur Mobilität sie in Köln vor dem Hintergrund der Energiekrise übernehmen können.

ÖPNV – an seiner Kapazitätsgrenze und mit Finanzierungsproblemen

Leider kann der öffentliche Nahverkehr kurz und mittelfristig nur wenig zur Lösung beitragen: Zum einen existieren nur geringe Kapazitätsreserven und zum anderen gibt es zunehmend Probleme bei der Finanzierung des laufenden Betriebs. Hier darf man schon froh sein, wenn es zu keinen größeren Kürzungen kommt. Übrigens: Vor diesem finanziellen Hintergrund wirkt die von manchen angestrebte milliardenschwere Tunnel-Lösung auf der Ost-West-Achse seltsam irreal und aus der Zeit gefallen.

Motorisierter Individualverkehr – hier geht noch was…

Der heutige motorisierte Individualverkehr ist im Wesentlichen dadurch gekennzeichnet, dass er noch über erhebliche Kapazitätsreserven verfügt: Von den 4 bis 5 Plätzen, welche die Autos vorhalten, ist in der Regel nur ein Platz besetzt, vor allem während der Spitzenzeiten im Berufsverkehr. Wenn es gelänge, nur einen weiteren Sitzplatz zu belegen, käme man mit deutlich weniger Fahrzeugen und deutlich geringerem Energieverbrauch aus. Moderne Software in Kombination mit Smartphones ermöglichen bereits heute die Vermittlung von Fahrgemeinschaften. Das größte Hindernis: Es bedarf eines deutlichen Umdenkens bei den Autofahrern und bei den Politikern.

Fahrrad – da geht noch viel mehr

Dieses Verkehrsmittel wird seit Jahrzehnten unterschätzt – auch heute noch, wie bei der aktuellen Diskussion über die Mülheimer Brücke zu sehen ist. In den letzten Jahren spielt es in Köln eine immer größere Rolle. Vor dem Hintergrund der Energiekrise bietet das Fahrrad einen entscheidenden Vorteil: Es ist nahezu unabhängig von externen Energiequellen. Radverkehr verursacht kaum laufende Energiekosten, Emissionen und Lärm und entlastet bestehende Infrastrukturen. Jede Investition in den Radverkehr ist damit auch eine Investition in die Resilienz kommunaler Mobilitätssysteme.

Fußverkehr – da geht auch noch was

Der Fußverkehr ist das energiesparsamste Verkehrsmittel: Er kommt ohne Treibstoffe aus und verursacht im Alltag praktisch keinen externen Energieverbrauch. Auch die nötige Infrastruktur ist vergleichsweise einfach – und benötigt im Betrieb nur wenig Energie. Gerade in einer Energiekrise ist das ein großer Vorteil: Zufußgehen funktioniert unabhängig von Preissteigerungen, Lieferketten und Versorgungslagen.

Fazit: Die Stadt hat es in der Hand

Die Energiekrise eröffnet die Chance, Mobilität neu zu ordnen: weg von energieintensiver Gewohnheit, hin zu einem System, das mit weniger externer Energie verlässlich funktioniert. Das nützt der Stadt durch geringere Betriebs- und Folgekosten und den Bewohnern durch bezahlbare und effiziente Alltagsmobilität.

Wenn der amerikanische Präsident schimpft: „Besorgt euch euer Öl selbst!“, sollte die Kölner Antwort lauten: „Nein – wir reduzieren stattdessen unseren Bedarf“. Denn die wirksamste Unabhängigkeit entsteht nicht durch neue Lieferanten, sondern durch weniger Verbrauch: kurze Wege, sichere Wege zu Fuß und mit dem Rad sowie ein akzeptabler ÖPNV – das ermöglicht eine gute Mobilität, ohne viel Öl zu verbrauchen.

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Ansprechperson:

Hans-Georg Kleinmann (Mitglied im VCD-Vorstand) über info@vcd-koeln.de, mobil: 0163 627 4722

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