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Sperrung der Theodor-Heuss-Brücke - Anregungen des VCD

Die Theodor-Heuss-Brücke in Düsseldorf über den Rhein wurde wegen massiver Schäden kurzfristig ab 1.2.26 für Fahrzeuge über 3,5 Tonnen gesperrt. Das trifft besonders den ÖPNV und seine Fahrgäste, wichtige Buslinien führen über die Brücke. Der VCD nennt einige Anregungen zur Entschärfung des Problems.

Ab 1.2. wird die Theodor-Heuss-Brücke (THB) über den Rhein sehr kurzfristig für Fahrzeuge über 3,5 t gesperrt und außerdem Tempo 30 angeordnet. Dass diese Entscheidung so plötzlich kommt und sich nicht vorher angedeutet haben soll, ist kaum nachvollziehbar, ein Notfallplan ist offensichtlich nicht vorbereitet worden.

In der Vorlage für den Düsseldorfer Verkehrsausschuss wurde erstaunlicherweise nicht erwähnt, dass das vor allem für den ÖPNV katastrophal ist: alle Linien über die Brücke werden kurzfristig gekappt, statt wenige Minuten von z.B. Niederkasseler Kirchweg bis Nordfriedhof brauchen Fahrgäste um die 40 Minuten mit 2-3-mal Umsteigen. Einige Linien ändern auch den Linienweg. Der On-Demand-Verkehr „flexy“ soll einen Ersatz bieten, wäre aber mit seinen geringen Kapazitäten nur ein Tropfen auf den heißen Stein und kann mit einzelnen Bestellungen im Stau und mit großer Nachfrage kaum funktionieren. Der neue Fahrplan steht in der Auskunft, die Rheinbahn hat eine ausführliche Meldung veröffentlicht (s. www.rheinbahn.de/fahren/verbindungen/thb). 

So wie jetzt geplant kann es nur eine vorläufige Notmaßnahme sein und jedenfalls nicht so bleiben für die mindestens 2,5 Jahre der Sperrung und Ertüchtigung der Brücke, vermutlich viel länger, insbesondere für Schulkinder oder Pendler. (Viele Schulen mit großem Einzugsbereich wie H.-Heine-Gesamtschule, Comenius- und Cecilien-Gymnasium, die japanische internationale Schule liegen an der 834. Eltern suchen Schulen auch nach ÖPNV-Anbindung aus.) Das sahen in der Sitzung am 21.1. auch viele Mitglieder des Düsseldorfer Verkehrsausschusses so.

Unklar ist im Übrigen auch noch, wie die Gewichtsbeschränkung der Kfz durchgesetzt werden soll, so dass es nicht nur hinterher Bußgelder gibt, sondern die verbotenen Fahrten über die Brücke tatsächlich unterbunden werden. Eine einfache Lösung könnte sein, wie auf manchen Parkplätzen in den Zufahrten einfach eine Höhenbegrenzung zu montieren (und die Begrenzung auch per Schild anzuzeigen).

Das ÖPNV-Problem muss so gut und so schnell wie möglich gelöst werden, auch wenn es einiges zusätzlich kostet. Ohne ÖPNV wird der Kfz-Verkehr noch stärker und problematischer werden. Aber auch der Individualverkehr ist möglichst gut abzuwickeln. 

Was können Lösungsansätze sein? (Einige vorläufige Überlegungen)

  1. Sondererlaubnis für eine begrenzte Anzahl von Bussen, ggfs. nur Solobusse  und nur die Linie 834. Busse sind gegenüber Lkw wohl besser gefedert und haben eine bessere Lastverteilung auf den Achsen, bei dem geplanten Tempo 30 gibt es nur geringe Erschütterungen. Mit Busverkehr kann der Kfz-Verkehr merklich entlastet werden.  – Das will die Stadt aber nicht zulassen. Ein neutrales Gutachten könnte das klären.
  2. Die Buslinie 834 fährt eine Umleitung ab THB: Uerdinger Str. – Cecilienallee (H. Tonhalle) - Oberkasseler Brücke – Kaiser-Friedrich-Ring (H. An der Apfelweide /Niederkassel) – Lütticher Str. und weiter den linksrheinischen Linienweg der 834 bis Belsenplatz, so können alle Halte vielleicht nicht sehr schnell, aber umsteigefrei bedient werden, insbesondere für SchülerInnen. (Die M-Linie M2 kann stattdessen an der THB enden). Das ist ein notwendiger Ersatzverkehr wie bei Bahnsperrungen, der muss nötigenfalls teilweise als Fremdleistung durchgeführt werden. Durch die Fahrt am Rheinufer und über die vierspurige Oberkasseler Brücke (und nicht über die Luegallee) und ggfs. flankierende verkehrsregelnde Maßnahmen (s. unten) soll die Staugefahr im Rahmen bleiben. Der Umweg beträgt dann vielleicht bestenfalls 15-20 Min., in der Spitze sicher länger. Die Stausituation ist kontinuierlich zu beobachten und ggfs. ist gegenzusteuern. Falls im Saldo über alle Linien die Kosten durch den Umleitungsverkehr steigen, ist das der Rheinbahn aus dem Straßenbaubudget zu erstatten.
  3. Ergänzend wird ein Shuttle-Linienverkehr mit Kleinbussen bzw. Großtaxen tagsüber im 5-Minuten-Takt über die Brücke zwischen zumindest Niederkasseler Kirchweg und Nordfriedhof eingerichtet (z.B. alle Flexy-Fahrzeuge plus ggfs. Taxibetriebe). Eine vorherige Bestellpflicht, wie sie die Rheinbahn anscheinend plant, macht hier keinen Sinn.
  4. Alternativ oder ergänzend sollte eine groß angelegte Hop-On-Hop-Off-Mitfahrinitiative zwischen den Busbuchten Niederkassel und THB testweise organisiert werden, mit großen Plakaten und intensiver Kommunikation, die an die Solidarität der Autofahrenden (und deren Interesse an Reduzierung des Kfz-Verkehrs) appelliert. Das könnte das Thema Mitfahren generell nach vorne bringen, vielleicht können auch weitergehende Fahrgemeinschaften über den Rhein intensiv organisiert und beworben werden. Dann hat man im Stau auch Gesprächspartner.
  5. An den Haltestellen rund um die Brücke werden ausreichend viele Leihscooter bzw. Leihräder für den individuellen Shuttle über die Brücke auf diesem Abschnitt kostenlos zur Verfügung gestellt.
  6. Die anderen Linien: Die zum Flughafen umgelenkte Linie SB 52 kann durch eine Linie Büderich – Flughafenbrücke – Flughafen ergänzt werden. Die SB51 könnte ggfs. damit (alternierend) verknüpft werden. Einzelne Buslinien müssen so dicht wie möglich unter die THB heranfahren, also auch linksrheinisch „An der Apfelweide“ (= Niederkassel) bedient werden (s.o. 834). Im Blick zu behalten ist natürlich, ob andere Linien wie die U79 in der Spitze Verstärkung benötigen.
  7. Radwege sind als Alternative zum Bus zu verbessern, insbesondere rechtsrheinisch zwischen Brücke und Nordfriedhof (auch über die Brückenrampe).
  8. Verkehrsregelnde Maßnahmen für den Kfz-Verkehr mit weiträumiger Umleitung um Oberkassel herum schon auf den Autobahnen und mit Pförtnerfunktionen an einigen Ampeln sind einzurichten. Um vor Ort die Behinderungen für den Busverkehr klein zu halten, sind Regelungen an der Cecilienallee zu überlegen (etwa an den Ampeln an der Homberger Str.) und an der Oberkasseler Brücke. Die Staulage ist zu beobachten und die Regelungen sind ggfs. anzupassen.
  9. Alle Navi-Apps sind entsprechend möglichst optimal anzupassen, das ist sicher die wichtigste Steuerungsmaßnahme. Dabei geht es darum, bereits vor einer zu erwartenden Staubildung (und anschließendem Schleichverkehr in der Stadt) für den Durchgangsverkehr frühzeitig und großräumig Umfahrungen als Route zu empfehlen und nicht auf andere Stadtstraßen zu verweisen und außerdem auf die starke Gewichtsbeschränkung hinzuweisen, die ja bereits große Lieferwagen betrifft. Es ist eine spannende Frage, ob staatliche Stellen das Recht haben bzw. bekommen sollen, in Navis aus Schutzgründen bestimmte Routen zu beeinflussen, etwa durch Widerstands-Parameter im Netzmodell, bzw. ob die Anbieter wie Google zu entsprechenden Anpassungen bereit sind.
  10. Sonderthema Verkehr zu Messen und Arena-Veranstaltungen: Zusatzfahrten über den Rhein werden evtl. nötig sein.
  11. Der Schulverkehr mit seinen Sicherheitsanforderungen ist noch einmal besonders zu betrachten. Evtl. ist mit mehr „Elterntaxis“ vor den Schulen zu rechnen, vielleicht können Fahrgemeinschaften zu den Schulen über den Rhein organisiert werden.
  12. Alle Möglichkeiten sind intensiv und kontinuierlich an Öffentlichkeit, Haushalte, Firmen, Schulen und Verkehrsteilnehmer(innen) zu kommunizieren.

Der VCD wird sich im Interesse der Fahrgäste und Autofahrenden für solche Maßnahmen im Rahmen seiner Möglichkeiten einsetzen und die Diskussion mit den Verantwortlichen suchen.

Diese Überlegungen betreffen nur den Personenverkehr, Güter- und Wirtschaftsverkehre sind aber auch massiv betroffen und müssen Umwege fahren, die in den Navis ebenso optimal geführt werden müssen.

 

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