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Wie wichtig ist eigentlich der „Modal Split“, der in Deutschland von der Verkehrspolitik als wichtigste Kennzahl angesehen wird?
Im Mai-Newsletter des VCD wurde über die Mobilitätserhebung „Mobilität in Städten“ berichtet, an der auch Düsseldorf teilgenommen hat. (Das ist die ursprünglich ostdeutsche Konkurrenz zur Erhebung „Mobilität in Deutschland“, die ihren Schwerpunkt in Westdeutschland hat und auch gerade ihre bundesweiten Ergebnisse 2023 vorgestellt hat.). In unserem Kommentar dazu wurden auch einige kritische Fragen gestellt, etwa ob die Repräsentativität der Daten noch gewährleistet ist, wobei auch die Frage nach der repräsentativen Beteiligung von Migranten und Flüchtlingen ohne gute Deutschkenntnisse und ohne ausreichendes Verständnis für die Umfrage gestellt werden sollte, trotz gewisser fremdsprachlicher Angebote zur Umfrage.
Hier noch eine ergänzende Betrachtung: Wie wichtig ist eigentlich der „Modal Split“, der in Deutschland von der Verkehrspolitik als wichtigste Kennzahl angesehen wird?
Der klassische Modal Split nennt den Anteil der Verkehrsmittel an den Wegen, die die Einwohner(innen) der Stadt zurücklegen. Das ist in einigen Punkten problematisch. Die Wege der Einpendler und Auswärtigen sind nicht enthalten, für den Verkehr in Düsseldorf fehlt also eine wesentliche Komponente (die etwa 45% der km in Düsseldorf ausmacht, und das grob zu 80% Kfz und 20% ÖPNV). Außerdem sind für wesentliche Fragen wie der Klimawirkung und der Auslastung der Infrastruktur eher die zurückgelegten km als die Zahl der Wege relevant, eine leider weniger beachtete Variante des Modal Split. Da ist die Verteilung natürlich ganz anders, Fuß- und Radverkehr spielen dort nur eine kleine Rolle, der Kfz-Verkehr hat den Löwenanteil. Nach dem Modal Split der Wege wären auf den Straßen nur ungefähr zweimal so viele Pkw wie Fahrräder unterwegs, ein Blick nach draußen zeigt, dass das insgesamt so nicht stimmt. (Analog beachten Kaufleute auch eher die Geldbeträge als die Anzahl der Rechnungen, ansonsten käme es schnell zum Konkurs.) Im Ausland ist deshalb meist die Verkehrsleistung, also das Volumen der „Personen-km“ die Hauptgröße.
Im Übrigen ist bei allgemeinen verkehrlichen Überlegungen auch daran zu denken, dass der Wirtschafts- und Güterverkehr hier gar nicht angesprochen wird. Und beim „MIV“, dem motorisierten Individualverkehr, sollte auch immer zwischen Fahrenden und Mitfahrenden unterschieden werden, Mitfahrende erzeugen keine Fahrzeug-km und gehören eigentlich zum Umweltverbund (jedenfalls sofern die Autofahrt nicht nur Bring- oder Holfahrt für die Mitfahrenden ist, wo dann der Fahrende gar keinen eigenen Verkehrszweck hat).
Schließlich sagt der Anteilswert auch nur bedingt etwas über die absolute Entwicklung der Verkehrssektoren aus, etwa kann ein leicht sinkender Pkw-Anteil bei steigender Gesamtverkehrsleistung durchaus steigenden Pkw-Verkehr bedeuten. Die Klimawirkung wird also durch den üblichen Modal Split also nur sehr unvollkommen abgebildet, dafür müsste dann zusätzlich noch nach Antriebsformen (E oder fossil) unterschieden werden. Wer nur auf den klassischen Modal Split schaut, wird den Verkehr von außen und den Wirtschaftsverkehr vernachlässigen, die Bedeutung des Radverkehrs überschätzen und die Möglichkeiten innerhalb des MIV mit Antriebswende, kleineren und geteilten Fahrzeugen und vor allem einer Mitfahrkultur übersehen. Hier als Zahlenbeispiel für die Unterschiede der Modal-Split-Varianten eine Vergleichsrechnung zur vorigen Erhebung 2018, s. oben.