Dortmund - Unna,
Fußverkehr
Dortmund - Unna
Vielerorts behindern parkende Autos auf Gehwegen Fußgänger:innen beim Durchkommen – besonders Menschen mit Rollstuhl, Kinderwagen oder Rollator. Das zeigte sich auch beim Gehwegspaziergang des VCD-Kreisverbands Dortmund-Unna. Der Verband spazierte mit mehr als einem Dutzend Interessierten durch das Kreuzviertel. Es zeigte sich: Sowohl legales wie illegales Parken behindern den Fußverkehr massiv. Oft war es gar nicht möglich, mit Rollator die Straße zu queren.
Dortmund, 25. November 2025. Es war nur eine kurze Strecke zu Fuß durch das von viel Blech geprägte Viertel. Vom Startpunkt an der U-Bahn-Station Saarlandstraße ging es über den Neuen Graben, die Weisbach-, Schilling-, Redtenbacher- und Herner Straße zur Liebigstraße, weiter zur Sonnenstraße bis zum Abzweig Arneckestraße.
Parken ist auf dem Gehweg jeweils nur dann gestattet, wenn es ausdrücklich durch entsprechende Schilder oder eindeutige Markierungen erlaubt wird, stellte Lorenz Redicker vom VCD gleich zu Beginn des Spaziergangs klar. „Gehwege sind zum Gehen da, nicht zum Parken“ so der VCD-Kreisverbandsvorsitzende. Und er betonte, dass auch zu Fuß Gehende Platz benötigen, etwa, um sich zu begegnen, auch mit Rollator und Rollstuhl. Den Regelwerken zufolge sollte auf den Bürgersteigen eigentlich eine 2,50 Meter breite Gehgasse bereitstehen, meist aber erreichen sie selbst die Mindestbreite für einfachen Begegnungsverkehr zwischen gesunden Fußgänger:innen nicht, der meist mit 1,60 bis 1,80 Meter definiert wird.
Noch viel problematischer ist aus Sicht des VCD, dass die parkenden Autos an vielen Stellen ein Queren der Fahrbahn massiv erschweren oder gar auf weiten Strecken unmöglich machen. Das gilt selbst an viel genutzten Schulwegen wie der Einmündung der Herner Straße in die Redtenbacher Straße. „Selbst die legal parkenden Autos sind hier ein Sicherheitsrisiko vor allem für Kinder und für Ältere“, stellt Redicker fest. Und Carsten Elkmann, von Haus aus Verkehrsplaner, ergänzt, dass Kinder, die ihren Schulweg malen sollten, sich oft nur an eine Straßenseite erinnern würden, weil sie die andere faktisch nicht nutzen könnten. „Wir wissen gar nicht, was wir den Kindern nehmen, wenn wir ihnen eine solche Umwelt zumuten!“ Neben Kindern würden vor allem auch Ältere wegen der Verkehrsprobleme das Haus seltener verlassen. Das sei ein massives soziales Problem.
Während des Spaziergangs wies der Verband auf viele weitere Probleme hin, etwa zu lange Querungsdistanzen, weil Einmündungen allzu großzügig ausgebaut sind, oder aber zugestellte Zugänge zur wichtigen Haltestelle Möllerbrücke. Zudem würden parkende Autos an Einmündungen und in Kreuzungsbereichen den Fußverkehr zu Umwegen oft auch über die Fahrbahn zwingen – auch das mit Risiken verbunden. Aber der VCD wies auch auf sinnvolle Nutzungen des öffentlichen Raums hin, die vielen Straßencafés etwa oder Platz für mehr Grün, den es teils in der Liebigstraße gibt. Wenn man den Autos nur ein wenig des vielen Platzes wegnehme, den sie momentan beanspruchten, sei vieles möglich.
Auf die Debatte, wohin denn nun mit den ganzen Autos, wollte sich der VCD nicht einlassen. Redicker betonte, dass es Lösungen gebe, neben Carsharing insbesondere die Mehrfachnutzung privater Stellplätze. Es gäbe sogar nicht ausgelastete Parkhäuser in der nahen Umgebung. Kostenfrei wie bisher seien solche Lösungen natürlich nicht. Die Spaziergänger:innen stimmten hier überein und klagten über die Erwartungshaltung vieler Autofahrer:innen, kostenlose Parkplätze im öffentlichen Raum zur Verfügung gestellt zu bekommen, und das am besten vor der Haustüre. Dabei müsste doch auch, wer Bus oder Bahn fahre, erst einmal zur Haltestelle gehen, meist mehrere Hundert Meter.
„Gehwegparken ist in Dortmund aber nicht nur um Kreuzviertel ein massives Problem“, betont der Kreisverbandsvorsitzende Lorenz Redicker. „Wir hätten auch die Nordstadt, das Kaiserstraßen- oder das Saarlandstraßenviertel aussuchen können. Oder aber einen Außenbezirk!“
Noch bis zum 5. Dezember konnten die Bürger:innen in einem Online-Formular Orte eintragen, an denen regelmäßig Fahrzeuge auf dem Gehweg parken und das Durchkommen erschweren. Die gemeldeten Stellen werden vom VCD-Kreisverband Dortmund-Unna demnächst an die Verwaltung weitergegeben – mit der Aufforderung, Maßnahmen zu prüfen und das Gehwegparken dort zu unterbinden.
Ziel der Aktion ist es, Gehwege wieder sicher und barrierefrei nutzbar zu machen – für Kinder, Ältere, Rollstuhlfahrerinnen und Rollstuhlfahrer und alle, die zu Fuß unterwegs sind.
Hintergrund:
Laut Straßenverkehrsordnung (StVO) ist das Parken auf Gehwegen nur in Ausnahmefällen erlaubt. Es muss genügend Platz für den unbehinderten Verkehr von zu Fuß Gehenden ggf. mit Kinderwagen oder Rollstuhlfahrer:innen auch im Begegnungsverkehr bleiben. Das Parken muss durch ein Verkehrsschild oder Bodenmarkierungen gekennzeichnet sein – nur dann ist es zulässig. Vielerorts ist es aber seit Jahren gängige Praxis, dass Autos auch ohne Erlaubnis auf Gehwegen parken, oder selbst dort, wo es erlaubt ist, die Fußwege zu schmal sind. Dies wird von Kommunen mehr oder weniger geduldet. 2024 hat das Bundesverwaltungsgericht auf Klage mehrerer Bremer Bürger:innen geurteilt: „Kommunen müssen das illegale Gehwegparken ahnden, wenn zu wenig Platz für Fußgänger bleibt!“