Pressemitteilung,
Verkehrspolitik
Dortmund - Unna
Die Stadt Dortmund hat die Ergebnisse der Mobilitätsbefragung 2025 bekanntgegeben. Aus Sicht des VCD sind sie "enttäuschend, aber erwartbar". Zwar gibt es ein Plus beim Radverkehr, dies aber auf Kosten von Fußverkehr sowie Bussen und Bahnen. Das Auto verbleibt mit unverändert 49 Prozent im Modal Split das dominierende Verkehrsmittel.
Fast jeder zweite Weg in Dortmund (49 %) wird weiterhin mit dem Auto zurückgelegt. Busse und Bahnen verlieren leicht auf 20 % (-2), der Fußverkehr ebenso auf 18 % (-1). Der Radverkehr (inkl. E-Scooter) kann etwas zulegen, von 10 auf 13 Prozent (E-Scooter: 0,5). Das sind die neuen Modal-Split-Werte für Dortmund, eines der zentralen Ergebnisse der Mobilitätsbefragung aus dem vergangenen Jahr.
“Enttäuschend, aber erwartbar”
“Erwartbar, aber enttäuschend”, nennt der VCD-Kreisverbandsvorsitzende Lorenz Redicker die Ergebnisse. Auch wenn das Fahrrad zugelegt habe, bis zum Ziel der Stadt - 20 Prozent bis 2030 - sei es damit noch weit. Was den VCD noch viel mehr stört: Das Auto bleibe das dominierende Verkehrsmittel in der Stadt, und der Besatz mit Kfz nehme weiter zu. “Wir sind von der Verkehrswende meilenweit entfernt”, fasst Redicker die Ergebnisse zusammen. Das gelte auch für die Ziele, die im Masterplan Mobilität 2030 auch seitens der Stadtgesellschaft formuliert wurden und die der Rat der Stadt 2018 mit großer Mehrheit beschlossen hatte. Demnach sollte nur noch jede dritte Fahrt (33 %) mit dem Auto zurückgelegt werden, auf den Umweltverbund (ÖPNV, Fuß- und Radverkehr) die restlichen zwei Drittel (66 %) entfallen.
Auch im hohen Alter weiter mit dem Auto
Die differenzierte Betrachtung nach Alter und Geschlecht zeigt deutliche Unterschiede bei der Verkehrsmittelnutzung. Sind Kinder bis zum Ende ihrer Grundschulzeit primär zu Fuß mobil oder als Mitfahrende im Auto unterwegs (jeweils 30 – 49 %) sind sie als Jugendliche und junge Erwachsene (10 – 24 Jahre) häufige Nutzer:innen von Bus und Bahn (ca. 40 %). Dann aber ändert sich das Verhalten deutlich, ab 25 Jahre wird faktisch jeder zweite Weg mit dem Pkw zurückgelegt, von Männern jeweils etwas mehr als von Frauen, besonders deutlich im ganz hohen Alter. Die über 76-jährigen Männer legen 58 % ihrer Wege mit dem Auto zurück, Frauen in diesem Alter nur noch 42 %. Bei einer älter werdenden Gesellschaft sind dies keine guten Aussichten. Diese Zahlen erklären aber zu einem guten Stück, warum auch kürzeste Wege mit dem Auto zurückgelegt werden.
Das Auto bremst die Entwicklung der Stadt
"Der Rat hat das Ziel ja nicht einfach ausgegeben, weil er Autos doof findet", betont Lorenz Redicker, der damals Mitglied im begleitenden Arbeitskreis zum Masterplan war. “Das Auto bleibt zwar notwendig, seine Dominanz behindert aber die positive Entwicklung der Stadt. Auch wegen des Autoverkehrs verfehlen wir unsere Klimaziele und schaffen es nicht, die Stadt klimaresilient zu gestalten. Der viel zu starke Autoverkehr beeinträchtigt die Gesundheit aller Dortmunder:innen und deren Sicherheit im Verkehr. Nicht zuletzt leidet die Aufenthaltsqualität massiv unter der Blechlawine. ”Wer will sich schon in einer Stadt aufhalten, in der überall nur Autos herumstehen - Platz für Außengastronomie, für Bäume und mehr Grün, für mehr Spielflächen, für zwanglose Gespräche im Freien aber fehlt?", fragt sich der VCD. Hier und nicht bei angeblich fehlenden Parkplätzen liege auch ein zentrales Problem für die Attraktivität der Dortmunder Innenstadt.
Platz umverteilen
Der VCD fordert deshalb mehr Geschwindigkeit bei der Mobilitätswende. Dortmund brauche bessere Radwege, mehr Platz für den Fußverkehr und mehr Angebot an Bussen und Bahnen - und vor allem: “Wir müssen den Autoverkehr endlich einbremsen. Den Platz können wir nur einmal verteilen. Seit 70 Jahren ist hier das Auto bevorteilt worden. Das muss ein Ende haben!” fordert Redicker für die Stadt. Wir müssen endlich die Dominanz des Autos brechen, wir brauchen mehr Platz für zu Fuß Gehende und den Radverkehr - auf Kosten des Autos." Er wünscht sich dabei endlich mehr Mut in der Verwaltung und auch in der Politik.
Repräsentative Umfrage
An der Dortmunder Mobilitätsbefragung 2025 hatten sich 8.996 Dortmunder:innen aus 35.500 zufällig ausgewählten Haushalten beteiligt. Die Ergebnisse sind insofern repräsentatitiv.
Hier geht es zur Pressemitteilung der Stadt zum Thema
Und hier gibt es den Ergebnisbericht zur Mobilitätsbefragung