Bochum-Gelsenkirchen-Herne
KV Bochum/Gelsenkirchen/Herne

Hitze und Verkehr

Dass die Rekordhitze des Sommers 2026 auch mit dem Verkehr zusammen hängt, ist bekannt. Nicht nur, dass Straßenbeläge aufplatzen und Wasserstraßen austrocknen, sondern auch an der Verursachung der Klimakatastrophe sind Benzin, Diesel und Kerosin wesentlich beteiligt.

Viel zu wenig bekannt, scheint aber der Zusammenhang zwischen Straßenbau und Hitze in unseren Städten zu sein.

In Bochum wird einerseits unter dem Schlagwort “Schwammstadt” zunehmend Regenwasser in Rigolen zurückgehalten, um Bäume zu bewässern, die Umgebung zu kühlen und einer Überlastung der Kanäle bei Starkregen entgegen zu wirken.

Andererseits werden noch immer beim Umbau von Straßen in Bochum alte Baumbestände auch dann abgeholzt, wenn sie weder selbst geschädigt sind, noch Gebäude oder Wege beschädigen. In einer Vorlage für die Kommunalpolitik zum Vollausbau der Hattinger Straße heißt es: “Daher wurde vorgesehen, die Bäume in Gänze zu ersetzen, um später ein einheitliches und städtebaulich ansprechendes Erscheinungsbild zu erzielen” (S. 4 der Beschlussvorlage 20250958). Von 52 Bäumen sollen 51 gefällt werden. Selbst die Beschlussvorlage stellt fest, dass immerhin 15 der zu fällenden Bäume ohne jeden Schadensbefund sind. Ob die geschädigten Bäume sofort, oder erst in vielen Jahren ersetzt werden müssten, wird nicht erläutert. 

Schon Anfang 2024 hatte das Bochumer Klimaschutzbündnis BoKlima, in dem auch der VCD vertreten ist, zu den Baumfällungsplänen an der Castroper Str. (2. Bauabschnitt) gefordert: “Deshalb schlagen wir in der Hauptsache vor, die allermeisten Platanen zu erhalten und einen Teil der Neupflanzungen erst Jahre später, in Abhängigkeit der Mortalität des Altbestandes, vorzunehmen, also zu strecken.” 
Als kleiner Erfolg der Kritik an diesen geplanten Fällungen ist zu werten, dass nach Überarbeitung der Pläne für den 2. Bauabschnitt “nur” 13 von 23 Bäumen gefällt werden sollen: “Die bestehende Baumreihe entlang des Kirmesplatzes bleibt, anders als ursprünglich geplant, zum Teil erhalten (8 Bäume)” (S. 7 der Vorlage).

An der Oskar-Hoffmann-Straße zwischen Unistr. und Steinring gibt es Anzeichen für ein Umdenken der Planenden der Stadt Bochum. Es gibt eine Bewertungs-Matrix, in der die Vor- und Nachteile für vier Bereiche mit folgendem "Gewicht" (in %) abgewogen werden:

  • MIV (also PKW) (30%)
  • Fuß- und Radverkehr (30%)
  • Straßenbegleitgrün (Bäume) (30 %)
  • Kosten (10%)

Die Verwaltung schreibt: “Die gewählte Vorzugsvariante hat in Bezug auf Parkplatz- und Baumerhalt sowie Einschränkung des motorisierten Individualverkehrs (MIV) das beste Ergebnis erzielt” (S. 1 der Vorlage). Von 15 Bäumen soll "nur" einer gefällt werden (der Grund geht aus der Vorlage nicht hervor). Zu begrüßen ist, dass ein “harmonischer und klimaresilienter Stadtraum mit hoher Aufenthaltsqualität” (S. 5 der Vorlage) geschaffen werden soll. 
Änderungsbedarf bei der Planung besteht allerdings bei den “Senkrecht-Parkplätzen” (90 Grad zur Fahrbahn), bei denen das Ausparken für Radfahrende und MIV zur Gefahr wird. Bei einer notwendigen Änderung dieser Parkstände in solche, die parallel zur Fahrbahn liegen, sind die vorhandenen Bäume ebenfalls zu erhalten.

Politik und Verwaltung sind aufgerufen auch an der Hattinger Straße bei den anstehenden Ausführungsplanungen die Notwendigkeit der Fällung von 51 Bäumen zu hinterfragen und nach einer Lösung zu suchen, die nur stark geschädigte Bäume ersetzt. 
Die Hattinger Straße muss nicht nur zu einem leistungsfähigen Verkehrsweg umgebaut werden, sondern auch einen alterdurchmischten, klimaresilienten Baumbestand behalten, der Anwohnende und Verkehrsteilnehmer:innen vor Hitze und Feinstaub schützt.

Zur »Gestaltung von Straßenräumen und Plätzen« lädt der VCD-Bundesveraband am 7. Dezember 2026 von 20:00 - 21:30 Uhr zu einem Online-Seminar “Wissen für Aktive” ein. Es geht darum, wie Straßenräume und Plätze so gestaltet werden, dass sie den Anforderungen von Klimaanpassung und Mobilitätswende gerecht werden. Anmeldungen sind willkommen.

 

 

 

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