Nordrhein-Westfalen

Bahn & Bus

Massive Qualitätsprobleme im Bahnverkehr: Dringend Lösungen gesucht

Der VCD NRW hatte im November wieder einmal umfangreiche Klagen von Fahrgästen über die unzumutbare Qualität des Bahnverkehrs im Verkehrsverbund Rhein-Ruhr (VRR) erhalten, speziell auf der Strecke Wupper­tal – Düsseldorf - Mönchengladbach: Verspätungen, Zugausfälle, zu kurze Züge sind keine Einzelfälle, sondern zum Dauerärgernis geworden.


Verwundert war der VCD NRW, dass der VRR in seinen Standard-Antworten die Fahrgäste nur an die ein­zel­nen Bahnunternehmen verweist und auf seine eigene Verantwortung als Aufgabenträger nicht eingeht, und das, obwohl die Kritik nicht Einzelfälle, sondern das System als Ganzes betrifft. Der VRR bestellt die Leistun­gen und misst auch die Qualität im Eisenbahnverkehr. Dass der Bahnverkehr inzwischen von vielen Unter­nehmen durchgeführt wird, sollte nicht zu Lasten der Kunden-Kommunikation gehen, der normale Kunde kann und muss nicht wissen, wer nur gerade zuständig ist, manchmal ist es ja auch das Infrastruktur­unternehmen. Hier muss der VRR selbst stärker aktiv werden und zumindest die Kundenanfragen koordiniert weitergeben und die Rückmeldung nachverfolgen. Und es bleibt natürlich die Kernfrage, ob und wann die geschilderten Missstände nachhaltig behoben werden.

Daraufhin hat sich der VCD NRW über politische Vertreter an den VRR gewandt. Von seiten des zuständigen Kundendialogs im VRR wurde eingeräumt, dass der Verbund seine Aufgabenträger-Rolle gegenüber den Kunden zu wenig darstellt und ausfüllt. Das soll in Zukunft besser werden.

Alle Verbünde in NRW wie auch u.a. die DB haben mit Zuverlässigkeits-Problemen zu kämpfen, es fehlt an Fahrpersonal und einsatzfähigen Fahrzeugen, es gibt Verspätungen und Ausfälle durch viele Baustellen und technische Störungen an der Strecke, betriebliche Prozesse bei Störungen sind nicht optimal. Externe Einflüsse wie Unwetter, Personen im Gleis, Metallklau, Bergsenkungen etc. kommen hinzu.

Im Ausschuss für Verkehr und Planung im VRR  - in dem der VCD NRW als Gast mit Rederecht vertreten ist- berichteten im November Vertreter der eurobahn/Keolis über die Probleme und die Bemühungen um Abhilfe. Dazu gehören die bundesweite Suche nach Ersatzfahrzeugen, nach Fachkräften für die Werkstadt und die Beschaffung von Ersatzteilen. Eine Verbesserung würde sich auch dadurch ergeben, wenn 5 bereit stehende neue Fahrzeuge die ausstehende Zulassung durch das Eisenbahn-Bundesamt erhielten.

Wie sind die Aussichten konkret für die Ost-West-Strecke um Düsseldorf? Bei der Eurobahn (RE 13) soll durch den vorübergehenden Einsatz von älteren Wagen auf einigen Linien im VRR und eine Optimierung der Betriebsprozesse die Fahrzeugsituation entschärft werden. Bei der Verstärkungslinie S 68 der DB ist eine Besserung erst in Sicht, wenn durch die Übernahme des S-Bahn-Betriebs im Ruhrgebiet durch Abellio und National Express gegen Ende 2019 bei der DB Kapazitäten frei werden. Mit dem Start des RRX-Vor­lauf­betriebs auf der Linie RE4 Ende 2020 werden dort die Kapazitäten pro Zug um ca. 200 Sitzplätze erhöht.
 
Massive Probleme hat im neuen Jahr immer noch auch die Nordwestbahn (u.a. RE10 Düsseldorf - Kleve), insbesondere durch fehlendes Personal bzw. hohen Krankenstand. Hier fallen viele Züge aus, Ersatzverkehr wird nicht immer angeboten und ist auch keine befriedigende Lösung. Aber auch die Infrastruktur macht hier Probleme. Hierzu konnte der VRR keine Lösung nennen. Bemerkenswert ist, dass von Abellio, Tochter der Niederländischen Staatsbahn (u.a. RE19, RE11/RRX), keine größeren Probleme bekannt geworden sind. Offensichtlich ist es durchaus möglich, mit gutem Management und guten Arbeitsbedingungen einen zuverlässigen Betrieb zu gewährleisten, jedenfalls wenn die Infrastruktur mitspielt.

Fazit: In einigen Punkten sind Verbesserungen in Vorbereitung, eine grundsätzliche Wende zu hoher Zuverlässigkeit und zusätzlichen Kapazitäten lässt auf sich warten, die ist aber für Fahrgäste wie auch Luftqualität so schnell wie möglich erforderlich. Der VCD NRW wird sich dafür gemeinsam mit dem VRR energisch einsetzen, aber auch konstruktive Kritik äußern. Wir fordern kleinere Ausbaumaßnahmen im Netz für eine höhere Flexibilität bei Störungen, ein fahrgastfreundliches Baustellenmanagement, ein konsequentes Qualitätsmanagement gegenüber den Bahnbetreibern, die Bestellung zusätzlicher Kapazitäten, und eine stärker wahrgenommene Verantwortung des Verbundes für die Bahnqualität gegenüber den Fahrgästen. Der VCD wünscht sich politisch einen runden Tisch Bahnqualität NRW, an dem strategische Maßnahmen für das ganze Land zur Verbesserung der Zuverlässigkeit diskutiert, koordiniert und finanziell gesichert werden.

Viele Menschen würden gerne umsteigen, müssen aber  mit einer hochwertigen Bahn abgeholt statt durch immer wiederkehrende Qualitätsprobleme verschreckt werden. Derzeit fällt es schwer, Autofahrern die Bahn zu empfehlen, und das ist angesichts der großen Probleme mit Luftreinhaltung und Klimaschutz im Verkehr ein unhaltbarer Zustand. In der Politik wird viel über neue Apps, Elektromobilität, P+R, Multi­modalität etc. geredet, aber das Kernsystem Bahn bleibt zu oft buchstäblich auf der Strecke.


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