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Auto statt Bus oder Rad? – VRR will Pkw-Fahrt zum Bahnhof belohnen

Der Verkehrsverbund Rhein-Ruhr schlägt vor, im neuen eTarif-Test die Tickets für P+R-Nutzer billiger zu machen. Der VCD versteht das nicht.

Der Verkehrsverbund Rhein-Ruhr (VRR) schlägt aktuell vor, dass Fahrgäste, die mit dem Auto zum Bahnhof kommen, im anstehenden eTarif-Test starke Vergünstigungen erhalten. Der VRR nennt ein Beispiel: Von Ratingen nach Düsseldorf kostet es derzeit 6€ (Einzel-Ticket), im eTarif sind es 4€, für P+R-Nutzer sollen es nur 2,60€ sein, also 1,40€ (= 35%) weniger.

Als Begründung wird genannt: „motorisierten Individualverkehr aus den Innenstädten herauszuhalten“ und „die intermodale Nutzung von Auto und ÖPNV zu fördern.“

Da stellen sich viele Fragen:

Bekommen P+R-Nutzer durch den kostenlosen Parkplatz nicht schon genug Förderung? Kann ich mit einem besonders großen Pkw vielleicht noch mehr Rabatt bekommen, weil ich die Innenstadt dann noch mehr entlaste?

Steigen vielleicht eher diejenigen aufs Auto um, die bisher z.B. mit dem Bus oder dem Rad zum Bahnhof kommen, weil sie Geld sparen können, und sind es gar nicht die Autofahrer, die heute bis in die Stadt zu ihrem (häufig kostenlosen) Firmen- oder Einkaufsparkplatz fahren?

Von den z.T. wenig belasteten Zubringerbussen zur Bahn werden Fahrgäste aufs Auto gelockt. Was sagen denn die Busunternehmen dazu? Wer zu Fuß oder mit dem Bus zum Bahnhof kommt, entlastet nicht die Innenstadt? Vielleicht fährt am Ende sogar der Zubringer-Bus seltener. 

Sind die P+R-Plätze generell so leer, dass sie mit Billigpreisen gefüllt werden müssen? Wir hören, dass sie an vielen Stellen erweitert werden sollen. Wieviel Fläche rund um die Bahnhöfe soll mit noch mehr Parkplätzen zugebaut werden, die viel Geld kosten, mehr Autoverkehr erzeugen und den Weg zu Fuß oder mit dem Rad zur Bahn eher behindern?

Ist P+R eigentlich so relevant für die Verkehrsentwicklung? Aktuell sind es 20.000 Plätze im VRR, zum Vergleich: die (bisherige) tägliche Fahrgastzahl im VRR liegt bei 4 Mio.

Noch ist dieser eTarif nur ein neuer Test, aber es kann schnell zur Regel werden.

Fazit: Der Fahrgastverband und Verkehrsclub VCD hält den Vorschlag des VRR, schlicht gesagt, für Unfug.

Tun wir doch einfach mehr für alle Fahrgäste! Der Sprung von Preisstufe A nach B etwa ist für alle zu groß. Vielleicht müssen wir coolere Namen finden, damit normale Fahrgäste am Bahnhof ernstgenommen werden: „Walk + Ride“ für Zufußgehen und „Multi-Ride“ für Busnutzung. Fahrgäste ohne Auto sind keine Fahrgäste 2. Klasse, und sie haben auch nicht mehr Geld übrig. Im Gegenteil!

Soll der Autoverkehr in den Innenstädten weniger werden, sind dort Parkgebühren das wirksame Mittel (inklusive Bewirtschaftung von Firmenparkplätzen).

 

Info: Vorschlag des VRR siehe: https://zvis.vrr.de/bi/vo0050.asp?__kvonr=6317

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