Nordrhein-Westfalen

B51 / B64 - Straßebau gegen Bevölkerung und Klima

Straßenbauprojekt B51/B64n: Verkehrs- und klimapolitischer Irrsinn

VCD Münsterland unterstützt den breiten Widerstand in der Bevölkerung

Der Bauträger Straßen.NRW will die B51 zwischen Münster und Telgte vierspurig und die B64 zwischen Telgte und Herzebrock-Clarholz dreispurig ausbauen. Dieses Autobahn-ähnliche Großvorhaben verläuft parallel zur (vernachlässigten) Bahnverbindung Münster – Bielefeld und soll die bisherige Bundesstraße „ertüchtigen“ - ein rücksichtsloses Durchdrücken einer Dinosaurier-Mentalität angesichts der ultimativen Dringlichkeit einer ökologischen Verkehrswende!

Der VCD fordert stattdessen den konsequenten Ausbau der parallelen Bahnstrecke.

Worum geht es?

Grundlage dieser über 20 Jahre alten Straßenbauplanung ist laut Bundesverkehrswegeplan, den Lückenschluss zwischen dem Ruhrgebiet und Ostwestfalen herzustellen. Konkret geht es um das Jahrzehnte alte Vorhaben, die A 43 nach Osten bis nach Bielefeld zu verlängern. Dies scheiterte bislang am örtlichen Widerstand. Der kleinste gemeinsame Nenner waren vorerst Ortsumgehungen in einigen der betroffenen Orte.

Nun soll – dank der aktuellen Einstufung dieses Vorhabens als „vordringlich“ der große Wurf kommen: zwar noch keine richtige Autobahn, aber schon ganz in diesem Sinne. Insgesamt sollen hier 127 Millionen € in Beton und Asphalt gegossen werden.
 

Straßen.NRW & IHK: Straßenausbau „alternativlos“

Zwar gibt sich Straßen.NRW bürgernah und hat im Rahmen des Planfeststellungsverfahrens bereits mehrere Info-Veranstaltungen abgehalten; doch in Wahrheit wurde dieser Straßenbau stets als „alternativlos“ dargestellt – authentischer, lösungsorientierter Bürgerdialog ist das nicht!


Verkehrsaufkommen: rückläufig – eigentlich!

In den vier betroffenen Orten Telgte, Warendorf, Beelen und Herzebrock-Clarholz weisen offizielle Verkehrszählungen aus, dass der Verkehr von 2000 – 2015 um 10 bis 25 % abgenommen hat. Trotzdem wird an den inzwischen völlig überdimensionierten Planungsvorhaben festgehalten, weil man weiterhin von einer Vervielfachung des Straßenverkehrs überzeugt ist – oder jedenfalls zu argumentiert. Da drängt sich die Frage auf, was denn wohl der eigentliche Beweggrund sein könnte; die Straßenbau- und Güterverkehrslobby hat offensichtlich mächtigen Einfluss …
 

Klima- und verkehrspolitische Bankrotterklärung

Trotz Klimakrise und von offizieller Seite stets postulierter ökologischer Verkehrswende setzen Bund und Land NRW auf eine Dinosaurier-Technologie aus dem letzten Jahrtausend. Außerdem: alleine schon aus Klimaschutz-Gründen wird der Straßenverkehr zurückgefahren werden müssen; dennoch hält man verbissen an diesem Anachronismus fest.
 

Der Widerstand wächst

Seit 2016 (?) formiert sich in den vom Ausbau betroffenen Orten Widerstand: BI´s wurden gegründet, der VCD und weitere Umweltverbände leisten tatkräftige Unterstützung, Mandatsträger verschiedener Parteien und selbst Bürgermeister betroffener Orte wenden sich dagegen.

Die bettroffenen Bürger führen mehrere Kritikpunkte auf:

  • Flächenverbrauch und Landschaftszerstörung

    • Durch den enormen Flächenverbrauch für die größtenteils kreuzungsfreie Trassenführung und der notwendigen Nebenstraßen für Anlieger- und Landwirtschaftsverkehr wären mehrere landwirtschaftliche Betriebe in ihrer Existenz gefährdet.

  • Klimaschutz

  • Zerstörung alter, gewachsener Kulturlandschaft und Kulturgüter

    • Entlang der bisherigen B51 führt ein alter Prozessionsweg mit mehreren hundert alten Laubbäumen, die einem Ausbau zum Opfer fallen würden.

  • deutliche Zunahme der Lärm- und Schadstoff-Emissionen

  • stark erhöhte Unfallgefahr

  • Zerschneidung und Beeinträchtigung der Naherholungs-Landschaft und damit einhergehende Abnahme der Lebenszufriedenheit

 

VCD-Position: Verkehrswende sieht anders aus

Der VCD Münsterland steht voll hinter den Forderungen der Bürgerschaft in den betroffenen Gebieten, schwenkt aber bei der Bewertung dieses Konflikts auf eine Meta-Ebene und formuliert einen ganzheitlichen, überregionalen Ansatz, der die Aspekte Klimaschutz, (Landschafts-)Ökologie, Verkehrswende und eine sozial verträgliche Abwägung aller Betroffener unter expliziter Einbeziehung individueller Mobilitätswünsche einschließt.

Vor diesem Hintergrund schlägt der VCD vor:

  • Ausbau und Beschleunigung der Regionalbahnstrecke Münster – Bielefeld mit:

    • einem 20-Minuten-Takt werktags bzw. einem 30-Minuten-Takt in Schwachzeiten

    • kreuzungsfreie Trasse an wichtigen Vekehrsknotenpunkten

    • Höchstgeschwindigkeit von 120 km/h bzw. Reisegeschwindigkeit von 80 km/h

    • Verknüpfung mit dem überörtlichen Buslinennetz (z.B. Telgte, Warendorf) sowie Feinerschließung kleinerer Siedlungsgebiete mit Nachfrage-gesteuertem Kleinbussystem

    • generelle Beibehaltung der vorhandenen Eingleisigkeit, ergänzt durch einige zweigleisig gestaltete Kreuzungsabschnitte (Doppelspurinseln mit fliegenden Kreuzungen)

    • Ortsumfahrender Streckenneubau in Clarholz

    • durchgängige technische Sicherung sämtlicher Bahnübergänge

Diese von Bund und Land NRW bisher überhaupt nicht vorgesehene Alternative als fundamentale Entlastung der Verkehrsströme sowie als hervorragende Maßnahme, den (Personen-)Verkehr auf die Schiene zu verlagern, stellt aus VCD-Sicht den Kernpunkt zukünftiger Mobilität dar. Dadurch wird der PKW-verkehr weiter abnehmen, ein Straßenausbau wird völlig überflüssig.

Um diesen Ansatz wirkungsvoll einbringen zu können, fordert der VCD:

  • sofortiger Stopp des Straßenbau-Neuvorhabens in der Planung als auch in der Umsetzung so lange, bis durch Straßen.NRW die hier skizzierte Alternative im gleichen Planungsstand wie die Neubauplanung entwickelt worden ist.

  • Anschließende neue Entscheidungsfindung über die beiden Alternativen unter Einbeziehung der kommunalen Entscheidungsträger sowie der betroffenen Bevölkerung.

Die derzeit schon eingeplanten Ertüchtigungs-Maßnahmen zum Ausbau der parallelen Bahnstrecke sollen unabhängig davon zügig umgesetzt werden, damit die Attraktivität des Schienenverkehrs gegenüber dem motorisierten Individualverkehr (MIV) gesteigert werden kann.

 

Termine des VCD Münsterland e.V.

Hier gibt es Hinweise auf Veranstaltungen, Mitgliederversammlungen, Vorträge etc.

zu den Terminen