Nordrhein-Westfalen

Bahn & Bus, Radverkehr
Köln

"Vorsicht Toter Winkel!"

Hinweisschilder an KVB Fahrzeugen

Seit einiger Zeit finden sich an den Bussen der KVB seitlich neben der Einstiegstür Aufkleber unter dem Titel "Vorsicht Toter Winkel!".

Seit einiger Zeit finden sich an den Bussen der KVB seitlich neben der Einstiegstür Aufkleber unter dem Titel "Vorsicht Toter Winkel!". Sie zeigen das Piktogramm eines Busfahrers, der einen Fahrradfahrer mit der Aussage "Lass mich vorbei. Ich seh' dich nicht!" auffordert, auf seine Vorfahrt gegenüber dem Bus zu verzichten. Wir vom VCD Regionalverband Köln lehnen die Aktion in dieser Form entschieden ab, da hier - wie leider viel zu oft - Rad fahrenden die alleinige Verantwortung für ihre Gefährdung durch andere, stärkere, Verkehrsteilnehmer zugeschoben wird.
Abbiegeunfälle, bei denen Rad fahrende oder zu Fuß gehende wegen des "Toten Winkels" von LKW- oder Busfahrern nicht gesehen und häufig schwer verletzt werden, gehören zu den größten Gefährdungen für die "schwächeren" Verkehrsteilnehmer. Es sollte daher alles getan werden, um diese Unfälle zu vermeiden. Dabei ist jedoch zu beachten, durch wessen potentielles Fehlverhalten hier wer gefährdet wird. Bei einem solchen Unfall nimmt der Busfahrer einem sich völlig regelkonform verhaltenden Radfahrer die Vorfahrt. Es liegt also in erster Linie in der Verantwortung des Busfahrers, die Gefährdung anderer Verkehrsteilnehmer durch sein Fahrzeug zu berücksichtigen. Das heißt, wenn bestimmte Verkehrsbereiche nicht eingesehen werden können, muss eben entsprechend vorsichtig gefahren werden. Der Befehl "Lass mich vorbei. Ich seh' dich nicht!" ist in jedem Fall unangebracht.
Es können jedoch sehr wohl Maßnahmen ergriffen werden, um Rad fahrende und zu Fuß gehende vor Abbiegeunfällen zu schützen. Insbesondere sollten Kreuzungen verkehrsplanerisch so angelegt werden, dass sich Rad fahrende möglichst im Sichtfeld von Bus- und LKW-Fahrern befinden, z.B. durch Führung des Radverkehrs auf der Fahrbahn und Aufstellflächen im Sichtbereich der motorisierten Verkehrsteilnehmer. Weiterhin können Ampelschaltungen so gesteuert werden, dass Rad fahrende früher in den Kreuzungsbereich einfahren und sich so bereits im Sichtfeld von abbiegenden Kraftfahrzeugen befinden, wenn diese den Abbiegevorgang beginnen. Auch technische Verbesserungen an Bussen wie zusätzliche Spiegel, Linsen, vielleicht sogar Kameras sollten möglich sein. Nicht zuletzt können Verkehrspiegel an als besonders gefährlich bekannten Kreuzungen - auch sehr kurzfristig und kostengünstig - helfen, den "Toten Winkel" möglichst klein zu halten. Gerade bei Bussen, die ja gewöhnlich bekannte Strecken befahren, sollte es kein Problem darstellen, gefährliche Kreuzungen zu identifizieren und zu entschärfen.

Insbesondere von Seiten der Stadt Köln und der KVB besteht hier Handlungsbedarf bevor die Verantwortung auf die Opfer abgeschoben wird. Häufig behindern auch zu weit im Kreuzungsbereich oder anderweitig regelwidrig abgestellte Fahrzeuge zusätzlich die Sicht auf Rad- und Fußwege. Hier sind Polizei und Ordnungsamt gefragt, dieses verkehrsgefährdende Verhalten entsprechend zu verfolgen, was bisher noch viel zu wenig geschieht.
Diese Maßnahmen, und vermutlich noch viele weitere Möglichkeiten, Rad fahrende vor den Gefahren durch Abbiegeunfällen zu schützen, sollten allen Akteuren der Aktion "Vorsicht Toter Winkel!" bekannt sein. Wir fordern, dass sie auch konsequent umgesetzt werden, bevor die Verantwortung, wie es hier geschieht, im Befehlston an die potentiellen Opfer abgegeben wird.

 

Ergänzende Kommentierung vom AK-Rad im März 2017: Als Kompromiss würden wir eine Anbringung des Hinweises am Heck der KVB Fahrzeuge befürworten.

Eine Stellungnahme

Ein Leserbrief von Horst Thelen, Mitglied des Rates

Hinweis an KVB-Bussen

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