Nordrhein-Westfalen

Auto & Straße, Bahn & Bus, Radverkehr, Verkehrsplanung, Verkehrspolitik
Köln

Neugestaltung der Kölner Ost-West-Achse

Positionspapier des VCD Köln zur Diskussion um die bauliche Neugestaltung der Kölner Ost-West-Achse

Für den VCD stehen bei der Entscheidung für eine Variante zur Umgestaltung der Ost-West-Achse
drei prioritäre Ziele im Fokus: 

Priorität 1:
Für die dringend notwendige und unverzichtbare Leistungssteigerung auf der Ost-West-Achse der Stadtbahn schnellstmögliche Herstellung der Einsatzfähigkeit von 75 Meter langen Stadtbahnzügen auf der gesamten Linie 1 („Zweieinhalb-Wagen-Züge“, z. B. durch Kombination von 8- und 6-Achser-Wagen) durch Ausbau oder Neubau aller Haltestellen und oberirdische Erweiterung der Haltestelle Neumarkt. Eine unterirdische Führung der Stadtbahn ist hierzu nicht erforderlich.

Priorität 2:
Zur Aufwertung des Stadtraums und der Steigerung der Aufenthaltsqualität am Neumarkt als dem herausragenden zentralen Platz der Kölner Innenstadt autofreie Gestaltung der Nordseite des Neumarkts und Reduzierung des Kfz.-Aufkommens sowohl am Neumarkt wie auch zwischen Heumarkt und Rudolfplatz. Hierzu ist der Kfz.-Verkehr in beiden Fahrtrichtungen an der Südseite entlang zu führen, vorzugsweise mit nur einer Fahrspur je Richtung. Der Kfz-Durch-gangsverkehr durch die Innenstadt über die Ost-West-Achse ist zumindest im Bereich zwischen dem Heumarkt und dem Rudolfplatz durch geeignete Anreize aus der Gestaltung des Verkehrsraums sowie der Verkehrsführung spürbar zu reduzieren.

Priorität 3:
Nutzung freiwerdender Räume für den Fuß- und Radverkehr. Durch Wegfall der trennenden
Wirkung der Ost-West-Achse Schaffung neuer attraktiver Nord-Süd-Verbindungen für den Radverkehr.

Der VCD erkennt folgende Vorteile einer unterirdischen Führung der Stadtbahn an:

  •  Verbesserung der Betriebsstabilität auf der Stadtbahn durch Wegfall von Störungen aufgrund von Fehlverhalten durch Kfz-Fahrende,
  •  Verkürzung der Fahrzeiten der Stadtbahn, wegen der längeren Zugangswege allerdings allenfalls
    geringfügige Verkürzung der Reisezeit bei Fahrtbeginn oder -ende an einer
    unterirdischen Haltestelle,
  • Optimierung für Umsteiger zwischen der neuen Nord-Süd- sowie der Ost-West-Stadtbahn am Heumarkt,
  • kreuzungsfreie Verschwenkung des Kfz-Verkehrs auf die Südseite des Neumarkts sowie
  • Reduzierung des Kfz-Verkehrs am Neumarkt durch eine verbesserte Ableitung des von Osten kommenden Kfz-Verkehrs auf die Nord-Süd-Fahrt ohne Kreuzung mit der Stadtbahn. Die Vorteile werden bereits bei der in der politischen Diskussion als „kurze Lösung“ bezeichneten unterirdischen Führung vom Heumarkt bis östlich des Neumarktes erreicht. Der VCD schließt auch eine lange unterirdische Lösung vom Heumarkt bis zum Bereich um den Aachener Weiher nach den derzeit öffentlich bekannten Fakten nicht kategorisch aus, sofern die Finanzierung ohne erhebliche Nachteile für andere Aufgaben der Stadt Köln, eine belegbare wesentliche Kapazitätserweiterung gegenüber der „kurzen Lösung“  und eine vertretbare Lösung für die Ausfädelung der Linie 9 unter Anbindung des Bahnhofs Köln Süd erreicht wird; dies erscheint derzeit nicht realistisch.

Der VCD weist zugleich auf die teilweise erheblichen Nachteile einer unterirdischen Führung hin, diese sind insbesondere

  • Möglichkeit der Zunahme des Kfz.-Verkehrs auf der Ost-West-Achse durch Ausbau des diesbezüglichen Straßenraums,
  •  hohe Kosten und Baurisiken,
  •  lange Bauzeit,
  •  längere Zuwege zu unterirdischen Haltestellen sowie
  •  Stadtraumabträglichkeit der Rampen, insbesondere durch die Zerschneidung des Heumarkts.

Der VCD schlägt zudem eine ergänzende Untersuchung zu einer durchgängig oberirdischen nordseitigen Führung der Ost-West-Stadtbahn auf dem Abschnitt zwischen Heumarkt und Moltkestraße vor, möglicherweise auch darüber hinaus. Diese neue Variante kann eine Unterführung für den Kfz.-Verkehr an der Kreuzung Aachener Straße/Inneren Kanalstraße in Verbindung mit einer Verschwenkung der Stadtbahn in Mittellage westlich der Kreuzung vorsehen.

Als Basis aller Entscheidungen ist eine umfassende Betrachtung des vorhandenen und geplanten Gesamtnetzes (Eisenbahn, Stadtbahn, Bus) und seiner notwendigen Erweiterungen mit dem Ziel durchzuführen, hier Bausteine zu erkennen und umzusetzen, die durch ihre Netzwirkung die Innenstadtstrecke entlasten.

Der VCD hat sich noch keine abschließende Meinung gebildet und fordert vor einer Festlegung auf eine Variante die Veröffentlichung aller Fakten der diskutierten Varianten im Detail durch die planende Stadt Köln.

Positionspapier

VCD Pressemitteilung

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