Nordrhein-Westfalen

Heinsberg - Mönchengladbach - Viersen
Heinsberg - Mönchengladbach - Viersen

Offener Brief zur Entwicklung des Flughafenareals und Umfeldes und seiner verkehrlichen Optionen

Im Jahr 2018 arbeiteten nach Angaben der Flughafengesellschaft Mönchengladbach GmbH insgesamt fast 580 Menschen am dortigen Gewerbegebiet. 27 Unternehmen und Behörden waren 2018 dort ansässig. Auf dem Areal der Trabrennbahn wird mit ungefähr 40.000 Quadratmeter Bruttogeschossfläche für Büros und rund 25.000 Quadratmeter Hallenfläche für die Ansiedlung weiterer flugaffiner Unternehmen geplant. Neue qualifizierte Arbeitsplätze und weitere Miet- und Pachteinnahmen kämen hinzu.
Es bleibt aber insgesamt bei der Vereinbarung mit dem Flughafen Düsseldorf, dem 20% des Flughafens gehören: Am MG-Flughafen darf es keinen Linienverkehr geben.
Chancen durch Bahnanbindung und Radschnellweg aufgrund aktueller Studien
Der Flughafen Mönchengladbach liegt nur etwa 1.000 bis 2.000 Meter Luftlinie entfernt vom ehemaligen Bahnhof Willich-Neersen (Strecke: Düsseldorf-Neuss-Schiefbahn-Neersen-Viersen). Für die beschriebene Standortentwicklung incl. ihres Fachkräftebedarfs wäre eine Weiterführung der S28 von Kaarster See aus von großem Vorteil. Im Süden schließt sich das nördliche Stadtgebiet Mönchengladbachs mit den Stadtteilen Neuwerk und Bettrath-Hoven mit mehreren Gewerbegebieten incl. 15700 Menschen an. Auch hier bestehen weitere Potenziale über künftige Wohngebietsentwicklungen und der Beschäftigtenzahlen.
Verknüpfung mit dem Fahrrad: Siedlungsgebiete im Blick
Der Bahnhof Willich-Neersen befindet sich in einer Scharnierlage zwischen den Siedlungsgebieten der Städte Willich und Mönchengladbach. Aufgrund der Entfernungen ist das Fahrrad ein geeignetes Verkehrsmittel, um diesen Bahnhof zu erreichen. Daher ist der neue Bahnhof mit den bestehenden Radrouten BahnRadweg Kreis Viersen, die Fietsallee am Nordkanal und der Niersradwanderweg im Umfeld zu vernetzen.
Ein wichtiger Baustein für die intermodale Anbindung des Bahnhofs Willich-Neersen sind die Planungen für einen Radschnellweg zwischen den Städten Krefeld-Willich-MG auf einem alten Bahndamm bis MG-Neuwerk. Er würde die Westverlängerung der S28 am Bahnhof Willich-Neersen unmittelbar kreuzen. Hieraus ergeben sich große Potenziale für die Anbindung der umliegenden Wohn- und Gewerbegebiete über das Fahrrad. Nach einer ersten Einschätzung ist
Fahrgastverband PRO BAHN e.V., Stapper Weg 94, 41199 Mönchengladbach
dieser Bahnhof zum Beispiel von der MG-Innenstadt über den Radschnellweg mit einem Pedelec in 10 bis 15 Minuten erreichbar. Die Erreichbarkeit aus dem Mönchengladbacher Norden und seinen Gewerbegebieten ist noch besser.
Zunehmende Ein- und Auspendler – aktuelle Studien
Es gibt genau einen Weg, den 130.000 Mönchengladbacher fast jeden Tag auf sich nehmen. Es ist der Weg zu ihrem Arbeitsplatz. Im Jahr 2019 pendelten täglich genau 51.865 Gladbacher über die Standgrenzen zur Arbeit, während gleichzeitig genau 54.875 einpendeln. Seit Jahren wachsen diese beiden Zahlen. 70,4 Prozent setzen sich am liebsten hinter das Steuer oder ließen sich fahren. Das sind 10% mehr als bei der letzten Erhebung aus 2000. Unter den Großstädten im Land gehört Mönchengladbach mit diesem Anteil zur Autofahrer-Spitze. Auch ist klar: Je urbaner der Raum und damit je besser ausgebaut das ÖPNV-Netz ist, umso mehr wird es von den Pendlerinnen und Pendlern auch genutzt. Auch im Kreis Viersen wächst die Zahl der Berufspendler. Viele von ihnen fahren nach Krefeld (14.738), Mönchengladbach (14.373) und Düsseldorf (12.174).
Erreichbarkeit von Arbeitsplätzen sowie Bezahlbarkeit der Fahrtkosten sind für Fachkräfte und Besucher und damit auch für Arbeitgeber und Veranstalter ein Kalkulations- und Imagefaktor. Der sechsspurige Ausbau von Autobahnen (A44 und A52) sowie Neu- und Ausbau von Parkplätzen treibt dagegen den Flächenverbrauch und die CO2-Produktion in die Höhe.
Stellung von Verkehrspolitik innerhalb der Klimapolitik – Wir sind gewarnt
Um mindestens 55 Prozent unter den Wert von 1990 soll der Ausstoß von Treibhausgasen sinken: Die Europäische Union hat jüngst im Dezember 2020 ihr Klimaziel bis 2030 deutlich verschärft, weil Böden immer trockener werden. Die ZEIT spricht von CO?-Einsparungen beim Verkehr durch radikale Schritte. In den Städten werden 2030 kaum noch Autos fahren, weil die Mautgebühren so hoch sind. Man kommt auch wegen der vielen Radwege und Begegnungszonen kaum noch voran, mit den öffentlichen Verkehrsmitteln geht es wesentlich leichter und schneller.
Politik in der Stadt MG – Gedankenlosigkeit oder bewusste Verhinderung?
Im Ausschuss für Planung, Bauen und Stadtentwicklung der Stadt Mönchengladbach am 01.12.2020 war der Radschnellweg KR-Willich-MG als Beitrag zum Umweltschutz zur Kenntnisnahme vorgesehen. Aber die Trasse auf eigenem Gebiet soll von der Stadt der Deutschen Bahn AG abgekauft und anschließend freigestellt (entwidmet) werden.
Diesem Kauf und der anschließenden Entwidmung stehen folgende Argumente entgegen:
1. Ein Teil der Strecke am Ortsrand zu Willich ist zugleich gewidmete Bahnstrecke für eine zukünftige Westverlängerung der S28 von Kaarster See nach Viersen. Beide Bahnstrecken verlaufen hier parallel. Ein Kauf mit Freistellung (Entwidmung) von Bahnbetriebszwecken würde eine zukünftige S28-Verlängerung verhindern.
2. Die Landesregierung deklarierte in einer Antwort auf eine Anfrage der Grünen zu weiteren Schienennahverkehrsprojekten: „Anmeldung der Reaktivierungsmaßnahme
Mönchengladbach-Neersen-Krefeld zum ÖPNV-Bedarfsplan des Landes“.
3. Die Machbarkeitsstudie der BahnflächenEntwicklungsGesellschaft NRW mbH für den Radschnellweg KR-Willich-MG weicht geringfügig von der Bahntrasse ab. Die Studie hält also sowohl den Radschnellweg als auch die S28 parallel für umsetzbar.
4. Es gab zu diesem Vorhaben des Erwerbs und anschließender Entwidmung keinerlei bekannten Kontakt zu den betroffenen Nachbarn Viersen, Willich, Krefeld oder zum Kreis Viersen.
Es stellt sich also die Frage, warum inmitten der Kooperationsverhandlungen zu neuen Inhalten und Mehrheiten im Stadtrat und unter einem neuen Oberbürgermeister Heinrichs dieses Vorhaben Radschnellweg so schnell und entgegen der nachgewiesenen finanziellen, verkehrlichen, klimatischen und Image-Vorteilen einer Westverlängerung der S28 in Angriff genommen wird.
Bedenkt man die Ausführlichkeit der Begründungen in den Vorlagen des Ausschusses nebst Kartenmaterial, kann kaum von einem Übersehen geredet werden.
Schlusswort von Fahrgastverband PRO BAHN und VCD
Die beiden Verbände haben die wirtschaftliche Entwicklung mit dem Entwicklungspotential des Flughafenareals nebst Umland im Auge. Sie sehen alle gewerblichen, klimatischen und Pendler-Bedürfnisse und wollen eine angemessene Bahnanknüpfung für das Flughafenareal und die angrenzenden Ortsteile von Mönchengladbach und Willich. Für PRO BAHN und VCD ist dies wie ein zukünftiger Radschnellweg KR-Willich-MG ein Beitrag für eine zukunftsfähige Stadt und Region.
Aufruf zur Stellungnahme einzeln oder organisiert
Wir rufen Sie daher auf, einzeln oder organisiert, sich an die Stadt Mönchengladbach und ihren Oberbürgermeister zu wenden und Ihre Sicht für eine zukunftsfähige Wirtschaft und eine zukunftsfähige Welt mit Bahnanschlüssen und Radschnellwegen kundzutun. Sie erreichen ihn unter:
- per Mail unter oberbuergermeister@moenchengladbach.de sowie telefonisch unter 02161 / 25-2500 bzw. 25-2512 und -2513 (Bürgerdialog).
- Postalisch unter: Felix Heinrichs, Rathaus Abtei, Rathausplatz 1, 41061 Mönchengladbach

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