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Neues Rheinbahn-Liniennetz

Am 20. Februar 2016 wird die neue U-Bahnstrecke „Wehrhahnlinie“ eröffnet, ab dem 21. ändern sich viele Bahn- und Buslinien in Düsseldorf. Die Werbekampagne läuft unter dem für Nicht-Rheinländer nicht unbedingt leicht verständlichen Namen „Netz met Häzz“. Wurde das neue Netz auch mit Hirn gemacht?

 

Vor- und Nachteile

Dass die Baukosten für die U-Bahn zwar gestiegen, aber nicht explodiert sind und der Bau einigermaßen im Zeitrahmen und von Katastrophen verschont blieb, ist nach den Erfahrungen aus anderen Städten schon eine anerkennenswerte Leistung. Die laufenden Betriebs- und Kapitalkosten der U-Bahn sind allerdings hoch. Die Frage ist, ob das mittelfristig negative Auswirkungen auf die Finanzierung des Fahrplan-Angebotes haben kann.

Der Weg in den zum Teil sehr tief gelegenen Untergrund kostet natürlich Zeit, gerade auch für Mobilitätsbehinderte, und wenn der einzige Aufzug ausfällt, ist der Bahnsteig für Menschen mit Rollstuhl oder Rollator überhaupt nicht erreichbar. Der Umstieg zwischen den U-Bahn-Achsen an der Heinrich-Heine-Allee verkürzt sich, aber manche Umstiegswege werden auch an der Oberfläche länger, z.B. zwischen Jacobistraße und dem nächstgelegenen U-Bahnhof Pempelforter Straße oder am S-Bahnhof Bilk zum Bus.

Das Warten ist im U-Bahnhof komfortabler als an der Oberfläche, allerdings haben manche Menschen unter der Erde ein ungutes Gefühl. Etwas mehr Abwechslung statt der kühlen und langweiligen Kunstlandschaft wäre auf Dauer nicht schlecht, z.B. durch Veranstaltungsplakate oder Vitrinen, in denen sich die Geschäfte präsentieren können, an denen man oben nicht mehr vorbeifährt. Weil die neuen Stadtbahnfahrzeuge einen niedrigen Boden haben, brauchen auf den oberirdischen Zulaufstrecken keine Hochbahnsteige gebaut zu werden, um einen stufenfreien Einstieg zu ermöglichen. Mit dem Verlegen der Bahn in den Untergrund wird zwar keine grundsätzlich neue Verbindung geschaffen, aber die Fahrten sollen störungsfreier verlaufen, auch bei Großereignissen. Für Radfahrer fallen einige der unangenehmen Schienen weg.

Wesentliche Veränderungen im oberirdischen Netz

Bis zur Eröffnung sollen auf den Zulaufstrecken an Ampeln noch einige Vorrangschaltungen für Bahnen realisiert werden, um auch dort die Betriebsqualität zu verbessern. Hoffen wir, dass endlich auch die „alten“ U-Bahnstrecken beschleunigt werden.

Im Busverkehr werden einige neue Verbindungen geschaffen. Positiv ist sicher auch, dass die Linie U79 abends bis etwa 22 Uhr und an Samstagen bis zur Uni fahren wird. An einigen Stellen wird das Fahrplan-Angebot auch gekürzt, z.B. auf der 708, die ursprünglich ganz eingestellt werden sollte.

Der große Nachteil ist die Herausnahme der ,restlichen' Straßenbahn aus der Altstadt, für die zum derzeitigen Zeitpunkt nach Informationen des VCD noch keine formale Genehmigung vorliegt. Die 706 und 705 (ex-715) werden auf die Berliner Allee abgeschoben, so dass Fahrgäste aus vielen Stadtteilen von ihrem Hauptziel Altstadt abgeschnitten werden.

Haupt-Umsteigepunkte zwischen Straßenbahn und U-Bahn sind künftig neben dem Hauptbahnhof die Schadowstraße (ehemals Jan-Wellem-Platz) (U71-U73) und die Steinstraße (U74-U79). Große Veränderungen des Netzes schaffen immer Probleme bei der Umstellung und für diejenigen, die sich bei Wohnung, Arbeitsplatz und Schulen an den bisherigen Linien orientiert haben.

Was noch fehlt

Die Überarbeitung des Nachtnetzes und die allgemeine Verbesserung des Spätverkehrs sollen im Rahmen des Nahverkehrsplans später folgen. Die Bahnstrecken zum ISS-Dome und zwischen Freiligrathplatz und Flughafen sowie die bessere Schienenanbindung der Universität sind noch in der Planung; auch neue Schnellbuslinien stehen noch auf der Agenda.

Die neuen Linien im Einzelnen

 

Stadtbahnlinien

  • U70, U74, U75, U76, U77, U78, U79 (Hochflurlinien) bleiben unverändert, nur die U74 fährt künftig wieder nur ab/bis Holthausen (außer einigen Fahrten zu Schulbeginn), die Strecke nach Benrath übernimmt ganz die U71. Die U79 fährt künftig auch abends und samstags bis zur Uni.
  • U71: Heinrichstr. - Wehrhahn - H.-Heine-Allee - Bilk - Holthausen - Benrath (übernimmt Teilstücke der 708, 713, und im Süden der 701, später Weiterführung entlang der 701 bis Rath / ISS Dome, fährt im Wechsel mit der U83)
  • U72: Ratingen – Wehrhahn - H.-Heine-Allee – Bilk - Volmerswerth (entspricht der 712)
  • U73: Gerresheim S – Wehrhahn - H.-Heine-Allee - Bilk - Uni Ost (wie 703 plus Südteil der 707)
  • U83: Gerresheim Krankenhaus – Wehrhahn – H.-Heine-Allee - Benrath S (diese Linie fährt nur Mo-Fr bis 22 Uhr, ergänzt sich mit der U71 zwischen Benrath und Uhlandstr. zum 10-Min-Takt)

Straßenbahnenlinien

- über die Innenstadt (Schadowstr. - Steinstr.)

  • 701neu: Rath - Heinrichstr. – Nordstr. - Schadowstr. - Steinberg (Im Norden wie 701, im Süden wie 706)
  • 705neu: (Unterrath )- Spichernpl. – Schadowstr. - Oberbilk - Vennhauser Allee (wie 715, aber nicht mehr über Altstadt)
  • 706neu: Steinberg - Brehmplatz – Schadowstr. - Landtag - Hamm (wie 706, aber über Berliner Allee und dann Richtung Bilker Kirche und nach Hamm, also keine Ringlinie mehr)

- über den Hauptbahnhof

  • 704neu: Derendorf Nord - Hbf - Uni Nord (Christophstr.) (Im Norden unverändert, im Süden wie 707, aber nicht über Bilk S und nur bis Uni Nord)
  • 707neu: Unterrath - Hbf - Bilk - Hafen (Nordteil wie 707, Südteil wie 708, aber zur neuen Hafenschleife)
  • 708neu: Heinrichstr. - Hbf - Polizeipräsidium (Nordteil wie bisher, ab Hbf. Ersatz für 704, nur im 20-Min-Takt und nur Mo-Fr bis 22 Uhr)
  • 709neu: Gerresheim Krankenhaus - Flingern - Hbf - Südfriedhof - Neuss (wie bisher, jetzt alle 10 min. bis/ab Gerresheim Krankenhaus, in der Spitze zwischen Staufenplatz und Südfriedhof im 5-Min-Takt, um den Wegfall der 719 auszugleichen)

Buslinien

  • 723: wird vom Südfriedhof über Hamm und Unterbilk bis in den Medienhafen verlängert.
  • 725neu: Diese neue Linie erschließt jetzt den Düsseldorfer Osten von Gerresheim (Krankenhaus) über Grafental und Düsseltal bis zum S-Bf. Zoo.
  • 732neu: übernimmt ab Hbf die Fahrten der Linie 725 zum Hafen (Mo-Fr tagsüber im 10-Min-Takt).
  • 736: fährt ab Oberbilker Markt statt zum Hbf über die Bilker Allee zum Kirchplatz.
  • 738: Die Linie übernimmt von Mettmann kommend zwischen Gerresheim und Hbf auch die Fahrten der heutigen Linie 725 (Mo-Fr tagsüber zwischen Dreherstr. und Hbf im 10-Min-Takt)
  • 780, 782, 785: die Linien fahren über den Kö-Bogen-Tunnel zurück zur H.-Heine-Allee, so dass sie dort (südlich der Bolkerstr.) und an der Benrather Str. die Altstadt besser erschließen als mit der bisherigen abgelegenen Abfahrtshaltestelle am Ratinger Tor.

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