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Neugestaltung Grüner Weg: reichlich Platz für Autoverkehr

Schöner, grüner und mit Platz für Fußgänger und Radfahrer: So war vor Jahren einmal die Vision für eine Neugestaltung des Grünen Wegs. Im aktuellen Entwurf der Verwaltung ist davon praktisch nichts übrig geblieben. Die Neugestaltung des Grünen Wegs besteht im Wesentlichen aus einer breiten, glatten Fahrbahn.

Die aktuellen Pläne der Verwaltung wurden am 30. 05. 2018 in der Aachener Zeitung vorgestellt. Einleitung und Zwischenüberschriften suggerieren eine deutliche Verbesserung für Fußgänger und Radfahrer, aber liest man den Text, so stellt sich das Bild völlig anders dar.

Rennpiste  oder Start- und Landebahn?

 Der Grüne Weg ist 1,36 km lang, schnurgerade, zu den meisten Tagesstunden mit wenig Verkehr. Die Vorlage sieht vor, die Fahrbahn breit, ohne Hindernisse und mit glatter Oberfläche anzulegen. So baut man sonst Formel 1-Strecken oder die Piste eines Flughafens. Ob eine solche Ausgestaltung für ein innerstädtisches Gewerbegebiet sinnvoll ist, mag zweifelhaft erscheinen.

Radfahrer werden geschützt, so lange sie keinen Schutz benötigen

Statt eines echten Radwegs sind auf beiden Seiten  Schutzstreifen vorgesehen. Das ist eine bequeme Lösung, denn sie kostet nur ein paar Eimer Farbe, und vor allem tut sie dem Autoverkehr nicht weh: Schutzstreifen sind Bestandteil der Fahrbahn, und Autos oder LKWs dürfen sie mitbenutzen. Der Vorteil für Radfahrer ist minimal.

Interessant sind an solchen Stellen auch oft die Begründungen, die im Text aufgeführt werden. Unfreiwillig gibt der Verfasser einen tiefen Einblick in die Denkweise der Planer:

Der markierte Radweg ergebe einen angemessenen Schutzraum für Fahrradfahrer, der nur bei Bedarf – wenn etwa Autos von aus beiden Richtungen kommen – mitbenutzt werden muss.

Mit anderen Worten: Es besteht Schutz für Radfahrer, es sei denn, es kommen Autos. Ob solcher Formulierungen schüttelt man den Kopf und denkt sich: Absicht oder nur Naivität? Jedenfalls ist klar, wie die Planung gedacht ist: Der Verkehrsbedarf wird durch den Autoverkehr definiert. Radfahrer und Fußgänger sind Restgrößen.

Verbreiterung der Bürgersteige um minus 1,15 Meter

Neben Radfahrern werden auch Fußgänger im neuen Straßenkonzept stärker berücksichtigt als zuvor. Konkret sieht das so aus, dass der Gehweg an manchen Stellen deutlich reduziert wird, nämlich auf 2 Meter, was nicht sehr viel ist, nämlich gerade die Länge eines Zollstocks.

Nun ist zugegebener Maßen der Grüne Weg wahrscheinlich keine Hauptausfallachse für den Fußverkehr, dafür ist er zu lang und verbindet zu wenig interessante Ziele - insofern ist diese Entscheidung noch nachzuvollziehen. Dennoch lässt auch hier die Begründung wieder unfreiwillig tief blicken: „Aufgrund des geringen Fußgängeranteils“ sieht die Verwaltung das aber unkritisch. Mit einer solchen Argumentation kann man jede Verbesserung für Fußgänger wegdiskutieren. Wie praktisch: Je schlechter und unattraktiver ein Gehweg ist, desto weniger wird er benutzt, desto eher kann man ihn zurückbauen.

Umgekehrt wäre die Argumentation richtig: Wenn es an einer Straße einen geringen Fußgängeranteil gibt, dann sollte man sich fragen, woran das liegt - und ob man es nicht verbessern könnte.

Eine Baumdichte wie in der Wüste Gobi

Ursprünglich war angedacht, den Grünen Weg zu einem grünen Weg umzugestalten. Die Pläne sind vom Tisch - offiziell wegen zu dichter Versorgungsleitungen. Das mag stimmen, aber dennoch fragt man sich: Fünf (in Worten: 5!) Bäume auf knapp 1,4 km Länge, oder anders gesagt: alle 340 Meter ein Baum - wäre da nicht doch noch ein bisschen mehr drin gewesen?

Komfortable Lösung für den Radverkehr vorgesehen - es darf aber nichts kosten

Aus Sicht der Verwaltung ist es weiterhin das Ziel, den Bahntrassenweg auf der bestehenden Trasse entlang des Grünen Weg zu entwickeln. Das ist schön und gut und wäre auch eine vernünftige Lösung - wenn die alte Bahntrasse der Stadt denn zur Verfügung stünde. Für die notwendige Anbindung an die Jülicher Straße am alten Nordbahnhof werden jedoch Grundstücke benötigt, insbesondere das ehemalige Kaiserbrunnen-Gelände, die der Stadt nicht gehören. Ansonsten wird der Bahntrassenweg zu einer sehr langen Sackgasse.

Interessantes Detail: Das Kaiserbrunnen-Grundstück hat in den letzten Jahren mehrmals den Besitzer gewechselt, zuletzt wurde es im Jahr 2016 zwangsversteigert. Jedes Mal hat die Stadt das ihr zustehende Vorkaufsrecht mangels Mitteln im Haushalt nicht ausgeübt. Die Planung von Radverkehr scheitert zuverlässig an dem Punkt, an dem Geld in die Hand genommen werden müsste.

 

 

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